ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1998Diagnosenverschlüsselung: ICD-10 in die Schublade

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Diagnosenverschlüsselung: ICD-10 in die Schublade

Dtsch Arztebl 1998; 95(5): A-173 / B-149 / C-145

Maus, Josef

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LNSLNS Bislang war es nicht mehr als eine Annahme, jetzt darf es als sicher gelten: In dieser Legislaturperiode wird es für die Kassenärzte keine Verpflichtung zur Verschlüsselung ihrer Diagnosen geben. Diese Zusage machte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer auf dem ersten Bundeskongreß der Vertragsärztlichen Vereinigungen am 18. Januar in Hannover. Seehofer sagte, daß die ICD-10 nicht veröffentlicht werde, solange er Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter sei. Zunächst einmal heißt das: bis September 1998. Dann stehen die Bundestagswahlen an, deren Ausgang heute noch niemand voraussagen kann. Möglicherweise wird nach den Wahlen eine andere Regierung das Sagen haben. Möglich aber auch, daß die jetzige Koalition für weitere vier Jahre bestätigt wird. Selbst dann wird der nächste Ge­sund­heits­mi­nis­ter wohl nicht mehr Horst Seehofer heißen. Darüber sind sich die Beobachter der "Bonner Szene" einig, und daraus macht Seehofer selbst keinen Hehl.
So gesehen darf der Ankündigung des Ministers aus Sicht der Kassenärzte keine allzu lange Halbwertszeit beigemessen werden. Dennoch dürfte Seehofers Stellungnahme über den Tag (und vielleicht auch über diese Legislaturperiode) hinaus wirken. Immerhin begründete der Minister seine Absage an die Verpflichtung der Kassenärzte zur Diagnosenverschlüsselung mit den Ergebnissen des Modellversuchs, der im April vergangenen Jahres in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt begonnen worden war. Die Ergebnisse (DÄ, Heft 46/1997) seien, so Horst Seehofer, weder ermutigend, noch hätten sie ausreichend dargelegt, ob die ICD-10-Codierung überhaupt notwendig sei. Wie auch immer man diese Argumentation beurteilen mag: Ein Gütesiegel für die Diagnosenverschlüsselung in der ambulanten Versorgung ist sie jedenfalls nicht. Eher ein Begräbnis erster Klasse. Seehofers Nachfolger(in), sollte er/sie nicht aus der jetzigen Opposition stammen, dürfte sich mit Wiederbelebungsversuchen der ICD-10 schwertun. Dies um so mehr, als die Trauergemeinde bei den Kassenärzten nicht sonderlich groß sein wird. Josef Maus
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