ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2011Therapie der Rheumatoiden Arthritis: Anti-Adalimumab-Antikörper schmälern den längerfristigen Therapieerfolg

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie der Rheumatoiden Arthritis: Anti-Adalimumab-Antikörper schmälern den längerfristigen Therapieerfolg

Dtsch Arztebl 2011; 108(22): A-1230 / B-1027 / C-1027

Vetter, Christine

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Kurzzeitstudien zur Immunogenität des TNF-alpha-Antikörpers Adalimumab haben ergeben, dass sich Antikörper gegen die Substanz bilden können, die deren Serumspiegel senken und die Therapieresponse beeinträchtigen können. Ob dies langfristig klinisch relevant ist, haben Rheumatologen in einer prospektiven Kohortenstudie untersucht. Dazu wurden bei 272 Patienten mit rheumatoider Arthritis unter Adalimumab über drei Jahre zu acht verschiedenen Zeitpunkten Serum entnommen und Therapieverlauf und Krankheitsaktivität überwacht. 28 % der Patienten entwickelten im Studienverlauf Antikörper gegen Adalimumab, 67 % davon in den ersten 28 Behandlungswochen. Patienten ohne Antikörper hatten deutlich höhere Wirkstoffkonzentrationen im Serum (median 12 mg/l) im Vergleich zu Patienten mit moderaten Antikörpertitern (Adalimumabkonzentration 5 mg/l; p < 0,001) und Patienten mit hohen Antikörpertitern (Adalimumabkonzentration median 0 mg/l; p < 0,001). 38 % der Patienten mit Anti-Adalimumab-Antikörpern brachen die Behandlung aufgrund von Therapieversagen ab, aber nur 14 % ohne Antikörper (HR 3,0; 95-%-KI 1,6–5,5; p < 0,001). Auch hatten 48 % der Patienten ohne, aber nur 13 % mit Bildung von Anti-Adalimumab-Antikörpern eine geringe Krankheitsaktivität, und immunisierte Patienten wiesen seltener einen anhaltend minimalen DAS28-Score auf als nichtimmunisierte (HR 3,6; 95-%-KI 1,8 bis 7,2; p < 0,01). Nur 4 % der Antikörper-positiven erreichten eine anhaltende Remission, gegenüber 34 % der Antikörpernegativen.

Fazit: Die Daten weisen nach Meinung von Prof. Dr. med. Bernhard Manger (Erlangen) darauf hin, dass die Bildung von Anti-Adalimumab-Antikörpern mit niedrigeren Serumspiegeln des TNF-alpha-Antikörpers und langfristig mit einem geringeren Therapieerfolg assoziiert ist. „Aber es gibt bislang kaum standardisierte Testverfahren, Antikörper gegen therapeutisch eingesetzte TNF-Inhibitoren zuverlässig zu messen, was die praktische Umsetzung der Daten erheblich einschränkt“, erklärte Manger. Die Ergebnisse müssten zudem durch weitere Erhebungen an größeren Kollektiven bestätigt werden.

Christine Vetter

Bartelds GM et al.: Development of antidrug antibodies against adalimumab and association with disease activity and treatment failure during long-term follow-up. JAMA 2011; 305(14): 1460–8. MEDLINE

Die Studie wurde durch Abbott Laboratories und durch Wyeth Pharmaceuticals unterstützt.

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