ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2011Heinz Angstwurm: Experte für das Thema Hirntod

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Heinz Angstwurm: Experte für das Thema Hirntod

Dtsch Arztebl 2011; 108(22): A-1238 / B-1034 / C-1034

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Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Heinz Angstwurm hat sich besondere Verdienste zum Thema Hirntod erworben. Er hat dazu beigetragen, die Akzeptanz für die Organspende zu steigern.

Die Transplantationsmedizin in Deutschland hat Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Heinz Angstwurm viel zu verdanken. Wie kaum ein anderer hat er sich mit dem Hirntod und den damit verbundenen anthropologischen, medizinischen und ärztlichen Fragen beschäftigt. Er ist Mitglied der „Ständigen Kommission Organtransplantation“ der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) – und zwar bereits seit ihrer Gründung 1994. Maßgeblich hat er an den Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes mitgewirkt. Mit seinem Einsatz hat er zu einer Versachlichung der Diskussion über die Organspende beigetragen und somit zu einer höheren Akzeptanz der Transplantationsmedizin.

Foto: privat
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Angstwurm wurde am 29. Januar 1936 in München als ältester Sohn des praktischen Arztes Dr. med. Josef Angstwurm und seiner Ehefrau Martha, einer Lehrerin, geboren. Er wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern in Kraiburg am Inn auf, dem Sitz der Landarztpraxis seines Vaters. Zum Wintersemester 1954/55 schrieb er sich für das Fach Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ein. Schon während des vorklinischen Studienabschnitts war Angstwurms Interesse für das Gehirn und das Nervensystem entstanden. Entsprechend trat er 1962 seine erste Assistentenstelle an der Universitätsnervenklinik der LMU an. Die Anerkennung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie erfolgte 1966. Nach der Trennung der Fächer und des Lehrstuhls blieb er an der Neurologischen Klinik. Im Jahr 1972 wurde er dort Oberarzt. Er war nicht nur am klinisch-praktischen Arbeiten, sondern auch an Forschung und Lehre interessiert. 1984 erhielt er die Venia Legendi für das Fach Neurologie. Seine Habilitationsschrift hatte den Titel „Zur Prognose somnolenter und komatöser Zustände infolge akuter extrazerebraler Erkrankungen“.

Im selben Jahr übernahm er die Leitung des Neurologischen Konsiliardienstes, den die nach Großhadern umgezogene Klinik für die Innenstadtkliniken eingerichtet hatte. Bereits ab 1974/75 hatte er auch am Aufbau einer Rufbereitschaft mitgewirkt. Sie diente den Kollegen in den Münchener Krankenhäusern sowie auswärtigen Kliniken als Hilfestellung bei der Hirntoddiagnostik. 1988 wurde er zum Universitätsprofessor berufen.

Besondere Schwerpunkte seiner Arbeit waren multiple Sklerose, Bewusstseinstrübungen und Koma. Bereits ab 1974 befasste er sich zudem mit allen grundsätzlichen und Detailfragen des Hirntods – angefangen von der Diagnostik über die Epidemiologie bis hin zu ethischen Aspekten. Im Jahr 2001 trat er in den Ruhestand. Über Drittmittel finanziert, war Angstwurm noch bis 2004 als Leiter des Neurologischen Konsiliardienstes tätig.

Seine Fachkenntnis war an vielen Stellen gefragt. Er war Mitglied der „Kommission des Wissenschaftlichen Beirates“ der BÄK, die 1981 erstmals und dann in drei Fortschreibungen Empfehlungen zur Feststellung des Hirntodes vorlegte, mit dem Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes (TPG) dann 1997 die entsprechenden Richtlinien. Er gehört der „Ständigen Kommission Organtransplantation“ an. Auch bei den Vorbereitungen des Transplantationsgesetzes wirkte er mit: 1996 fungierte er als Sachverständiger in zwei Anhörungen des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages. Mit dem TPG erhielt die BÄK die Aufgabe, Richtlinien zur Hirntoddiagnostik zu erlassen, an denen Angstwurm maßgeblich beteiligt war.

Seine Verdienste um die Organtransplantation sind herausragend. Er verfolgte stets das Ziel, überzeugend zu begründen, dass der Hirntod ein sicheres Todeszeichen ist. Vielen hat er damit in schwierigen Entscheidungsprozessen eine Hilfestellung geleistet. Angstwurm war immer davon überzeugt, dass das Thema Hirntod nur interdisziplinär zu betrachten sei, gemeinsam von Ärzten, Theologen und Philosophen. Wichtig war ihm dabei stets auch der Umgang mit den Angehörigen, der seiner Meinung nach sachlich und empathisch zugleich sein sollte. Seine Publikationen und Vorträge hatten großen Einfluss auf die Entemotionalisierung der Diskussion über die Grenzfragen an der Schwelle zwischen Leben und Tod.

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