ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1998Fieber, Rhabdomyolyse und Leberversagen: Ursache des vermeintlichen Lassa-Falls bleibt ungeklärt

POLITIK: Medizinreport

Fieber, Rhabdomyolyse und Leberversagen: Ursache des vermeintlichen Lassa-Falls bleibt ungeklärt

Dtsch Arztebl 1998; 95(6): A-275 / B-219 / C-207

EB

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LNSLNS Robert Koch-Institut bittet Ärztinnen und Ärzte um Mithilfe.
Am 11. September 1997 wurde ein 37jähriger Afrikaner mit Fieber, Leberversagen, Rhabdomyolyse, Thrombozytopenie und einer Störung der Blutgerinnung in ein Mainzer Krankenhaus aufgenommen und später auf eine intensivmedizinische Isoliereinheit verlegt. Trotz maximaler Therapie verschlechterte sich sein Zustand, zumal zusätzlich starke Blutungen, vor allem aus dem Nasenbereich, auftraten. Der Patient starb in der Nacht zum 20. September an akutem Lungen- und Nierenversagen.
Nach den bisherigen Ergebnissen der Obduktion am Institut für Pathologie der Universität Tübingen lauten die Hauptdiagnosen ARDS, akute gelbe Leberdystrophie, Nierenversagen sowie Rhabdomyolyse. Zur Klärung der Krankheitsursache wurden Tests auf eine Vielzahl viraler und bakterieller Erreger durchgeführt, die ausnahmslos negativ ausfielen. Wegen des foudroyanten Verlaufs, der starken Blutungsneigung und einer nach den ersten Informationen nicht auszuschließenden Einreise aus Ghana wurde der Verdacht auf ein Virales Hämorrhagisches Fieber (VHF) in die Differentialdiagnose mit einbezogen. Tests auf Erreger von VHF fielen negativ aus, außer einer fraglich positiven PCR und eines positiven IgM-Antikörpertiters (1 : 1 000) für Lassa-Fieber. Das untersuchende Bernhard-Nocht-Institut (Hamburg) bewertete dies als Lassa-Fieber-Verdachtsfall.
Am 25. September wurde durch das negative Ergebnis der Viruskultur eine Erkrankung an Lassa-Fieber ausgeschlossen. Auch Paralleluntersuchungen auf Erreger von VHF im Zentrum für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Universität Marburg ergaben negative Ergebnisse für Lassa-Virus und andere Erreger von VHF. Die epidemiologischen Ermittlungen schließen eine Reise des Erkrankten in außereuropäische Gebiete im relevanten Zeitraum vor der Erkrankung aus. Bisher ist die Ätiologie der zum Tode führenden Erkrankung dieses Patienten ungeklärt.
Zur Klärung der Ursache dieses ungewöhnlichen Krankheitsbildes bittet das Robert Koch-Institut (RKI) niedergelassene oder im Krankenhaus tätige Ärztinnen und Ärzte um ihre Mithilfe. Sie werden um Mitteilung an das RKI gebeten, falls in den letzten sechs Monaten Patienten behandelt worden sind, die ein Krankheitsbild mit ungeklärter Rhabdomyolyse und Leberversagen aufwiesen, das identisch oder ähnlich dem im folgenden beschriebenen ist:
Beginn mit grippeähnlicher Symptomatik (Halsschmerzen, diffuse Muskel- und Gliederschmerzen, Fieber > 38,5 Grad Celsius). Nach etwa einer Woche kommt es zu einer Verschlechterung des Zustandes, für den folgende Laborwerte charakteristisch sind: Leukopenie (2 000 bis 3 000/mm3), Erhöhung der SGOT und SGPT (> 400 U/L) bei normaler oder nur leicht erhöhter alkalischer Phosphatase und einer CPK-Erhöhung > 1 000 U/L. Nierenfunktionstests sind anfangs unauffällig, im Verlauf der Rhabdomyolyse kann sich die Nierenfunktion jedoch verschlechtern.
Es bestehen zunächst keine pulmonalen oder zentralnervösen Störungen. Mikrobiologische Untersuchungen sind negativ einschließlich Hepatitis A, B, C, E, Blutkulturen, Malaria, Cytomegalie, Toxoplasmose, Leptospirose, Lyme-Krankheit, Coxsackie, Brucellose, Ebola, Lassa-Fieber, Hantaviren, Gelbfieber, Marburg-Virus, Influenza- und Parainfluenzaviren, Psittakose, Rift-Valley-Virus, Tetanus und Erreger von Gastroenteritiden, zum Beispiel Salmonellen.
Weil nicht bekannt ist, ob alle genannten Symptome zu dem Krankheitsbild gehören, sollten nach Möglichkeit Fälle mit ungeklärter Erhöhung der CPK über 1 000 U/L dem Robert Koch-Institut in Berlin, Frau Dr. Andrea Ammon, mitgeteilt werden: Telefon 0 30/45 47-34 81. EB

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