ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2011Welt­gesund­heits­organi­sation: Handystrahlung „potenziell krebserregend“

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Welt­gesund­heits­organi­sation: Handystrahlung „potenziell krebserregend“

Dtsch Arztebl 2011; 108(23): A-1258 / B-1050 / C-1050

Meyer, Rüdiger

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Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), stuft elektromagnetische Felder, die beispielsweise bei der Nutzung von Mobiltelefonen entstehen, als „potenziell krebserregend“ ein. Dies wurde als Ergebnis einer Tagung mitgeteilt, zu der sich 31 Wissenschaftler aus 14 Ländern auf Einladung der IARC in Lyon getroffen hatten.

Verursachen Mobiltelefone Hirntumoren? Experten einer WHO-Einrichtung halten das für möglich. Foto: Fotolia
Verursachen Mobiltelefone Hirntumoren? Experten einer WHO-Einrichtung halten das für möglich. Foto: Fotolia

Betroffen sind nicht nur Mobiltelefonierer. Eine berufliche Exposition ist durch Radaranlagen oder Mikrowellen möglich. Für die Allgemeinbevölkerung ergibt sich eine Exposition durch die Übertragung von Radio, Fernsehen und durch WLAN. Die Debatte dreht sich aber in erster Linie um die Frage, ob die häufige Nutzung von Handys das Risiko von Hirntumoren erhöht.

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Die Experten kamen zu dem Schluss, dass es „begrenzte Beweise“ für ein erhöhtes Risiko auf Gliome und Akustikusneurinome gebe. „Limited evidence of carcinogenicity“ umschreibt die Situation, in der eine positive Assoziation zwischen Exposition und Erkrankung gefunden wurde, für die eine kausale Interpretation glaubwürdig scheint, obwohl ein Zufall, eine statistische Verzerrung oder ein Störfaktor nach vernünftigem Ermessen nicht ausgeschlossen werden können. Für andere Tumoren konstatieren die Experten eine nicht ausreichende Beweislage („inadequate evidence of carcinogenicity“).

Die Einschätzung überrascht, da in vergangenen Studien keine Assoziation mit Hirntumoren gefunden wurde. Der Mitteilung zufolge gibt es aber eine Studie, die für Vielmobiltelefonierer (30 Minuten am Tag über zehn Jahre) ein um 40 Prozent erhöhtes Gliomrisiko gefunden habe. Um welche Studie es sich handelt, wird nicht genannt. Die entsprechende Monografie (102 in der Serie der IARC) ist noch nicht publiziert. rme

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