ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2011Arzneimittelstudien: Neue Transparenz durch Studienregister
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Ein aktuelles Beispiel für eine unterlassene Publikation ist die
JASAP-Studie (Japanese Aggrenox Stroke Prevention vs. Aspirine Programme). Die vom Hersteller durchgeführte Phase-III-Studie, die im März 2009 abgeschlossen wurde, aber bis heute unveröffentlicht blieb, hat die Evidenzlage zur Sekundärprävention von Schlaganfällen verändert. Im Vergleich von 200 mg retardiertem Dipyridamol plus 25 mg ASS (zweimal täglich) mit 81 mg ASS (einmal täglich) wurde der primäre Endpunkt verfehlt: die Nichtunterlegenheit der Kombination in der Sekundärprophylaxe des Schlaganfalls. Tatsächlich traten unter ASS/Dipyridamol 1,47-mal häufiger Schlaganfälle auf. Die Kopfschmerzrate war wie in früheren Studien unter der Kombinationstherapie erhöht (45 Prozent vs. 29 Prozent), was unter Alltagsbedingungen die Compliance vermindern dürfte.

Bislang stützte sich der Nutzenbeleg der ASS/Dipyridamol-Kombination auf die ESPS-2- und die ESPRIT-Studie. Beide haben entscheidende methodische Schwächen. In ESPS-2 wurde Dipyridamol/ASS mit zweimal 25 mg ASS verglichen. Die Gleichwertigkeit dieser niedrigen Dosis zu der gut dokumentierten Wirkung von ASS 75 mg oder mehr ist nicht ausreichend belegt. Andernfalls hätte sich die Niedrigdosis als Standardtherapie etabliert. Für ESPRIT wurde ein offenes Design verwendet. Zudem konnte die ASS-Dosis zwischen 30 und 325 mg frei gewählt werden. Im Monotherapie-Arm erhielten 46 Prozent der Patienten eine Dosis von unter 50 mg ASS. Durch die hohe Abbruchrate von 34 Prozent im Arm Dipyridamol plus ASS ist die Aussagekraft der Studie weiter eingeschränkt.

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Das als Aggrenox vermarktete Dipyridamol/ASS-Präparat kostet in Deutschland pro Tag 1,60 Euro, während 100 mg ASS ab drei Cent erhältlich ist. Aufgrund der bisher publizierten Datenlage empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Kombinationstherapie mit ASS/Dipyridamol zur Sekundärprophylaxe des Schlaganfalls bei Patienten mit hohem Rezidivrisiko. Wir hoffen, dass die neue Transparenz durch Studienregister zu einer revidierten Bewertung von ASS/Dipyridamol beiträgt, auch wenn der Hersteller die Publikation weiter zurückhält.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. Thomas Lempert,
Dr. med. Enrico Völzke,
Neurologische Abteilung, Schlosspark-Klinik, 14059 Berlin

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