THEMEN DER ZEIT

Wartezeiten: Der Nächste, bitte

Dtsch Arztebl 2011; 108(24): A-1360

Maus, Josef

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Drei Jahre nach der letzten repräsentativen Erhebung befragte Kantar Health erneut Patienten, wie lange sie beim Arzt und auf einen Termin warten mussten.

Weniger als eine halbe Stunde mussten die Patienten in diesem Jahr im Durchschnitt beim Arzt warten. Bei GKV-Versicherten waren es 27 Minuten, bei privat Versicherten mit 21 Minuten nur geringfügig weniger. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Kantar Health (vormals EMNID) im Auftrag des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen. Befragt wurden circa 6 000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach der Dauer der Wartezeit beim niedergelassenen Arzt und nach der Dauer der Terminvergabe. Eine solche Erhebung hatte das Institut bereits im Jahr 2008 durchgeführt.

Die Versicherungssituation der Befragten war im Jahr 2011 gegenüber 2008 nahezu unverändert: 85 Prozent waren gesetzlich versichert, acht Prozent komplett privat krankenversichert. Ausgewertet wurden nur die Angaben der Bundesbürger, die in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal beim Arzt waren. Im Durchschnitt wurden vier verschiedene Ärzte aufgesucht.

Wartezeiten angeglichen

Die Wartezeiten bei Hausärzten und Fachärzten haben sich mit je 27 Minuten in den vergangenen drei Jahren angeglichen. Am schnellsten waren die Patientinnen beim Gynäkologen an der Reihe: 23 Minuten betrug dort die mittlere Wartezeit. Längere Wartezeiten mussten hingegen bei den Augenärzten (37 Minuten) sowie bei den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten und Orthopäden (jeweils 35 Minuten) in Kauf genommen werden.

Insgesamt sehr positiv: Bei akuten Beschwerden erfolgte die ärztliche Behandlung auch ohne Termin in der Regel noch am selben Tag – unabhängig vom Versicherungsstatus. Anders stellt sich die Situation bei der Terminvergabe dar: Im Durchschnitt warteten die GKV-Versicherten 20 Tage auf einen Termin und damit sechs Tage länger als ein privat versicherter Patient. Aber auch hier haben sich die Zeiten angenähert: GKV-Patienten erhielten gegenüber 2008 etwas schneller einen Termin, privat Versicherte mussten sich hingegen im Schnitt mit 14 gegenüber zehn Tagen im 2008 vier Tage länger gedulden.

Terminvergabe „entspannter“

Der BKK-Bundesverband bezeichnete in seiner Auswertung der Befragungsergebnisse die Terminvergabe drei Jahre nach der letzten Erhebung als „etwas entspannter“. Allerdings haben 2011 mehr Patienten gar keinen Termin bekommen als im Jahr 2008. 15 Prozent der Befragten gaben an, vergeblich nach einem Arzttermin gefragt zu haben (13 Prozent im Jahr 2008). Betroffen davon waren nach Angaben des BKK-Bundesverbandes hauptsächlich GKV-Versicherte.

„Die Auskunft ,kein Termin‘ erfolgte in über 90 Prozent der Fälle durch Fachärzte“, heißt es in der Auswertung. Am häufigsten sei dies bei Orthopäden, Augenärzten und Dermatologen der Fall gewesen.

Anders als vor drei Jahren erfasste die Umfrage im Jahr 2011 zusätzlich, wie lange Patientinnen und Patienten auf einen Therapieplatz beim Psychiater beziehungsweise beim Psychotherapeuten warten mussten. Bei der Hälfte der Patienten begann die Behandlungsreihe spätestens nach vier Wochen, 14 Prozent warteten bis zu zwei Monate, elf Prozent mindestens vier Monate. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz betrug nach Angaben des BKK-Bundesverbandes sechs bis sieben Wochen.

Josef Maus

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