ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2011EHEC-Ausbruch: Das Vorgehen in der Praxis

MEDIZINREPORT

EHEC-Ausbruch: Das Vorgehen in der Praxis

Dtsch Arztebl 2011; 108(24): A-1370 / B-1149 / C-1149

Hibbeler, Birgit

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Welche Empfehlungen gibt es für die Behandlung von Patienten mit enterohämorrhagischer Escherichia coli in der Hausarztpraxis? Wie funktioniert die Nachsorge nach einem stationären Aufenthalt? Ein Überblick

Wenn es um die Behandlung von Patienten mit enterohämorrhagischen Escherichia-coli-Bakterien (EHEC) geht, dann stehen die Krankenhäuser derzeit im Mittelpunkt. Viele Patienten wenden sich allerdings auch an niedergelassene Ärzte – entweder weil sie Durchfall haben oder weil sie sich über EHEC informieren wollen.

Doch wie sollen sich ambulant tätige Ärzte, insbesondere Hausärzte, im Umgang mit EHEC-Patienten verhalten? Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat dazu kurzfristig eine S1-Leitlinie erstellt, abrufbar unter www.degam.de. Nach Angaben von DEGAM-Präsident Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach (Frankfurt/Main) verfolgt die Fachgesellschaft damit vor allem das Ziel, prägnant zu informieren sowie unnötige Hektik und falsche Behandlungen zu vermeiden. Eine Kernbotschaft: Keine Antibiose, kein Loperamid. Die Empfehlungen gelten jedoch nur für den hausärztlich-ambulanten Bereich, betont Gerlach. Ansonsten seien nach wie vor die Verzehrempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung gültig. Das rät derzeit weiterhin davon ab, Sprossen zu essen. Diese Warnung gilt auch für selbst gezogene Sprossen.* Außerdem sagt Gerlach: „Händehygiene ist das A und O.“

Der Übertragungsweg für EHEC ist fäkal-oral. Als Reservoir für den Erreger gelten Wiederkäuer, also zum Beispiel Rinder. Der Keim wird in der Regel durch kontaminierte Lebensmittel aufgenommen. Denkbar ist aber auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch (Schmierinfektion). Was ist also im Umgang mit EHEC-Patienten und engen Kontaktpersonen zu beachten?

  • Angehörige (enge Kontaktpersonen) von EHEC-Patienten müssen nicht in Quarantäne. Sie dürfen weiterhin zur Arbeit gehen. Es sei denn, sie sind in Gemeinschaftseinrichtungen, zum Beispiel Schulen und Kindergärten, tätig. Ein Verbot gilt auch für Beschäftigte im Lebensmittelbereich. Grundlage dafür sind § 34 und § 42 des Infektionsschutzgesetzes. Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in Schleswig-Holstein dürfen auch Personen im medizinischen Bereich nicht arbeiten, allerdings je nach Gefährdungspotenzial.

Enge Kontaktpersonen sind ansteckungsverdächtig und dürfen in den genannten Einrichtungen nicht tätig sein – und zwar bis der Nachweis negativer Stuhlproben vorliegt. Das örtlich zuständige Gesundheitsamt regelt das Verfahren im Einzelnen. Als enge Kontaktpersonen gelten Personen, die in häuslicher Gemeinschaft mit Erkrankten leben. Besonders wichtig ist eine gründliche Händehygiene. Im Haushalt sollten außerdem die Toilette nach Benutzung sowie Handkontaktflächen desinfiziert werden.

  • Bei EHEC-Patienten gilt im Prinzip das gleiche Vorgehen wie bei engen Kontaktpersonen. Wer nicht in Gemeinschaftseinrichtungen oder mit Lebensmitteln tätig ist, kann nach klinischer Genesung wieder arbeiten – allerdings mit dem Hinweis, dann am Arbeitsplatz Hände- und Flächendesinfektionsmittel nach der Toilettenbenutzung zu verwenden.

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz teilte am 9. Juni nun aber mit: Um das Risiko einer Übertragung möglichst zu 100 Prozent auszuschließen, sollten EHEC-Erkrankte zunächst ihre Arbeitsstelle oder zum Beispiel Massenveranstaltungen nicht aufsuchen – auch wenn sie sich gesund fühlten. Dies sei erst wieder möglich, wenn eindeutig durch Stuhlproben belegt sei, dass sie den Erreger nicht mehr in sich trügen. Dieser Hinweis gelte auch für diejenigen, die nichtstationär untergebracht gewesen seien, heißt es in einer Erklärung.

Fazit: Das Infektionsschutzgesetz beschreibt allgemeine Mindestanforderungen. Die Behörden vor Ort können in ihren Empfehlungen darüber hinausgehen. „Das zuständige Gesundheitsamt ist in allen Fällen der maßgebliche Ansprechpartner“, betont Prof. Dr. med. Martin Mielke vom Robert-Koch-Institut.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Fragen und Antworten zu EHEC auf www.aezteblatt.de/111370

*Stand bei Redaktionsschluss (14. Juni)

Links zum Thema

Mehrere Fachgesellschaften haben Empfehlungen zu EHEC für Ärzte entwickelt. Dazu zählen unter anderem die Deutschen Gesellschaften für Allgemeinmedizin, Nephrologie und Infektiologie: www.degam.de www.dgfn.eu und www.dgi-net.de. Außerdem bietet das Robert-Koch-Institut umfangreiche Informationen: www.rki.de.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat einen übersichtlichen Flyer für Bürger entwickelt: www.bzga.de.

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