ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2011Schach: Grüne Damen und Stationskönige

SCHLUSSPUNKT

Schach: Grüne Damen und Stationskönige

Dtsch Arztebl 2011; 108(24): [84]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Meine chirurgische Medizinalassistentenzeit (so etwas gab es vor Urzeiten noch) leistete ich in einer großen Privatklinik gegenüber vom Münchener Tierpark Hellabrunn ab. Was liegt da näher, als dass nachts ein Elefantenpfleger nach einer Schlägerei mit einer heftig blutenden Kopfplatzwunde in die Ambulanz eingeliefert wird?! Für mich sollte dies die Initiation in die Kunst des Nähens werden, doch dummerweise sah mir der Patient trotz seines reichlichen Alkoholgenusses meine Unbedarftheit an und bedeutete, auf mich zeigend, dem anwesenden Assistenzarzt: „Der fei net!“ Glücklicherweise trat dann aber schnell der anästhesierende und tranquilisierende Effekt des Alkohols ein und ich konnte bald darauf stolz auf meinen ersten kleinen chirurgischen Eingriff zurückblicken. Im Übrigen gibt es nichts Dankbareres als Kopfplatzwunden, wegen der guten Durchblutung der weichen Kopfschwarte sind sie bei äußerst geringem Infektionsrisiko leicht zu nähen.

Nach dieser chirurgischen Einleitung werde ich ausnahmsweise auf mein Lieblingstopos, dass alle Chirurgen saufen und rauchen wie die Schlote, hingegen alle Internisten Muster einer vorbildlichen und gesunden Lebensführung sind, verzichten und stattdessen aus einem Brief von Prof. Dr. med. Kenko Cupisti (unzweifelhaft eine Ausnahme von obiger Regel), dem geschäftsführenden Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, zitieren:

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„Inspiriert von Ihren Schachkolumnen im Deutschen Ärzteblatt habe ich in einer der letzten Chirurgieklausuren für Humanmedizinstudenten des siebten und achten Semesters an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die folgende Frage untergebracht, die Ihnen hoffentlich gefallen wird (und wie!): Welche der folgenden Figuren gibt es in einem Krankenhaus nicht?

a) Stationskönig; b) Grüne Dame; c) Endoskopieturm; d) Blutläufer; e) Saalspringer

Sollten Sie wie der Chronist auch unter dem Mangel leiden, nicht der Chirurgengilde anzugehören und insofern eher durch Ausschluss als durch eigenes (Fach-) Wissen auf die richtige Lösung zu kommen, nachfolgend die Erläuterungen von Professor Cupisti: „Die allermeisten Studenten haben richtig erkannt, dass es Stationskönige nicht gibt (wohl schon eher Stationsbauern!).

Die ,Figuren‘ b bis e gibt es dagegen tatsächlich: Die grünen Damen leisten karitative Arbeit, der Endoskopieturm ist eine mobile Videoanlage, der Blutläufer transportiert Blutkonserven in den OP, und der Saalspringer reicht der OP-Schwester sterile Instrumente an.“

Nach dieser chirurgischen Nuss sind Sie hoffentlich gewappnet für die Kombination von Dr. med. Volker Klein (zwar kein Chirurg, aber immerhin ein Urologe) vom letzten Ärzteturnier, zu deren Mitteilung er von seinem Gegner Dr. med. Jens-Friedrich Mükke (der im Falle eines Sieges sogar auf einen der ersten Plätze gelandet wäre) ausdrücklich ermuntert wurde.

Mit welchen (chirurgischen) Figuren zerschmetterte Dr. Klein als Weißer die schwarze Königsfestung?

Lösung:

Den Auftakt machte der Endoskopieturm 1. Txh5+!, um nach 1. . . . gxh5 mit dem Saalspringer 2. Sf5+ den Exitus letalis anzukündigen (Schwarz gab bereits auf), den nach 2. . . . Kh7 die grüne Dame – ausnahmsweise wenig karitativ – durch 3. Dxh5 matt mit Vergnügen vollendet hätte. Übrigens wäre auch 1. Txg6+! Txg6 2. Dxh5+ Kg7 3. Dxg6+ Kf8 4. Tf5+ durchschlagend gewesen.

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