ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1996Neue Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en für Diabetiker

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Neue Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en für Diabetiker

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LNSLNS Die Europäische Studiengruppe für Diabetes und Ernährung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft gab 1995 aktualisierte Richtlinien für die Ernährungstherapie von Diabetikern heraus. Der Ausschuß Ernährung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft hat sich den dort gemachten Empfehlungen angeschlossen und eine deutsche Fassung der Richtlinien publiziert.
Die aktuellen Ernährungsrichtlinien für Diabetiker sind denen, die auch der Allgemeinbevölkerung zur Erhaltung guter Gesundheit gegeben werden, sehr ähnlich. So sollte sich die Nahrung von Diabetikern nicht wesentlich von der unterscheiden, die der ganzen Familie zu empfehlen ist.
Die hohe Rate an kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen bei Diabetikern rückt die nachdrückliche Empfehlung zur Reduktion von gesättigten Fettsäuren in der Nahrung in den Vordergrund. Die derzeitige Zufuhr ist in vielen europäischen Ländern (inklusive Deutschland) unakzeptabel hoch. Die tägliche Aufnahme gesättigter Fette sollte maximal zehn Prozent der Gesamtenergie ausmachen und bei Fettstoffwechselstörungen noch geringer sein. Auch Transfettsäuren, die bei der Hydrierung ungesättigter Fette entstehen (gehärtete Fette) und vorwiegend in kommerziell hergestellten Back- und Süßwaren sowie einigen Margarinesorten verwendet werden, wirken sich negativ auf die Lipoproteine aus und sind aus diesem Grund zu reduzieren.
Da die glykämische Wirkung von Saccharose sich nicht wesentlich von der anderer kohlenhydrathaltiger Lebensmittel unterscheidet und auch die heutigen Therapiemöglichkeiten ein Verbot von Saccharose für Diabetiker nicht mehr rechtfertigen, wird eine mäßige Aufnahme (Zucker weniger als zehn Prozent der Gesamtenergie) – wenn von den Patienten erwünscht – bei Typ-I- und Typ-II-Diabetikern für akzeptabel gehalten. Getränke mit hohem Saccharose- und/oder Glukosegehalt sollten jedoch bei Diabetikern nur zur Behandlung von Hypoglykämien verwendet werden. Zum Süßen von Getränken können kalorienfreie Süßstoffe genutzt werden.
Die Proteinaufnahme darf zwischen 10 und 20 Prozent der Tagesenergie liegen. Eine Reduktion ist bei den ersten Zeichen einer Nephropathie (Mikroalbuminurie) indiziert. Der größte Anteil der täglichen Energie sollte in Form von Kohlenhydraten (bevorzugt ballaststoffhaltige Kohlenhydratträger und solche mit niedriger Blutglukosewirksamkeit) und einfach ungesättigten Fettsäuren (cis-Konfiguration, zum Beispiel reichlich in Olivenöl, Erdnußöl und Avocados vorhanden) verzehrt werden. Der jeweilige Energieanteil dieser beiden Komponenten kann nach örtlichen oder individuellen Vorlieben variabel gestaltet werden. Bei den meisten Patienten sind Alkoholmengen, die einem bis zwei Glas Wein pro Tag äquivalent sind, akzeptabel, jedoch sind individuelle Kontraindikationen zu berücksichtigen.
Sogenannte spezielle Diabetiker- oder Diätprodukte werden für die Ernährungstherapie von Diabetikern für überflüssig erachtet. Kalorienhaltige Zuckeraustauschstoffe und Produkte, in denen diese anstelle von Saccharose enthalten sind, bringen Diabetikern keinen wesentlichen Vorteil gegenüber der Verwendung von Saccharose. tel


Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) of the European Association for the Study of Diabetes (EASD): Statment 1995. Recommmendations for the nutritional management of patients with diabetes mellitus. Diab Nutr Metab 1995; 8: 186–189.
Auschuß Ernährung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft: Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en für Diabetiker 1995. Stellungnahme der DNSG der EASD. Ernährungs-Umschau 1995; 42: 319–322.

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