ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1996Asservierung von Haaren zum Nachweis chronischen Drogenkonsums

MEDIZIN: Diskussion

Asservierung von Haaren zum Nachweis chronischen Drogenkonsums

Hollweg, M.; Wagner, Hans-Joachim

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hans-Joachim Wagner und Prof. Dr. rer. nat. Manfred R. Möller in Heft 44/1995
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LNSLNS Hinweise auf Nachweisgrenzen fehlen
Die Entwicklung von neuen und verbesserten Nachweismethoden hat in den letzten Jahren sicherlich zu einem bedeutenden Fortschritt im Bereich der Rechtsmedizin geführt. Um den Stellenwert der Haaranalyse besser definieren zu können, wären einige Ergänzungen zu dem Artikel von Wagner und Möller wünschenswert.
So fehlen beispielsweise Hinweise auf Nachweisgrenzen für verschiedene Substanzen sowie forensisch relevante Grenzwerte bei den Nichtopiaten. Ist mit der gaschromatographischen und massenspektrometrischen Analytik in jedem Fall ein quantitativer Nachweis möglich? Kommen falsch positive oder falsch negative Ergebnisse vor? Kann man Sensitivität und Spezifität der Methode beziffern? Können neben den erwähnten Fehlern bei der Entnahmemethode noch andere Einflußfaktoren (zum Beispiel Ernährung, Medikamente) die Meßwerte beeinflussen? Schließlich wäre ein ergänzender Hinweis hilfreich, welchen Stellenwert die Gesetzeslage und die Rechtsprechungspraxis der Haaranalyse als Beweismittel einräumen.


Dr. M. Hollweg
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Helene-Weber-Allee 6
80637 München


Schlußwort
Die außerordentlich große Zahl an Zuschriften dokumentiert das besondere Interesse an nichtinvasiven diagnostischen Verfahren, insbesondere dann, wenn sie sogar einen "Einblick" über einen längeren, zurückliegenden Zeitraum ermöglichen. Dieser neue diagnostische Baustein wird interdisziplinär genutzt und hat sich nicht nur bei der Kraftfahreignungsbegutachtung bereits einen Stellenwert geschaffen, sondern auch bei der Betreuung von Patienten mit Betäubungsmitteln oder Arzneimittelkonsum und Verdacht auf Mißbrauch oder Abhängigkeit, wie die Vielzahl an Anfragen nach Untersuchungsstellen für Haaranalysen erkennen läßt.


Zu den speziellen Fragen von M. Hollweg
Die Nachweisgrenzen für die in der Arbeit genannten Substanzen liegen im Bereich von 0,1 bis 1 ng/mg Haare. Die eingesetzte GC-MS-Methode ist bezüglich Spezifität und Empfindlichkeit allen anderen analytischen Substanzmeßverfahren überlegen. Bei Verwendung deuterierter interner Standards, was gegenwärtig allgemein als Stand der Technik bezeichnet werden kann, ist die GC-MS-Analytik eine sogenannte "Definitive Methode" im Verständnis der klinischen Chemiker. Falsch positive Befunde sind bei sorgfältiger Auswertung kaum denkbar. Falsch negative Befunde werden ebenfalls nicht vorkommen, wenn man bei der Beurteilung sich darüber im klaren ist, daß die Haaruntersuchung einen nur einmaligen oder auch gelegentlichen Konsum nicht erfaßt.
"Forensisch relevante Grenzwerte" können für keine Substanz definiert werden, weil es mit Hilfe der Haaranalytik nicht möglich ist, eine akute Beeinträchtigung, wie beispielsweise durch die Untersuchung einer Blutprobe, zu einem definierten Zeitpunkt zu beweisen.
Die Haaranalyse ist gegenwärtig noch Objekt zahlreicher Forschungsaktivitäten, was die Einflüsse von weiteren Faktoren (unter anderem UV-Licht, pathologische Veränderungen des Haarwachstums) betrifft. Abschließend lassen sich diese Fragen zur Zeit noch nicht beantworten.
In Abhängigkeit von der Fragestellung ist die Haaranalyse aber auch schon von Obergerichten als Beiweismittel anerkannt worden, so unter anderem vom Oberverwaltungsgericht Koblenz.


Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Hans-Joachim Wagner
Institut für Rechtsmedizin der Universität des Saarlandes
Gebäude 42 66421 Homburg/Saar

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