ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2011Metastasiertes Pankreaskarzinom: Folfirinox als neue Erstlinienoption

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Pankreaskarzinom: Folfirinox als neue Erstlinienoption

Dtsch Arztebl 2011; 108(26): A-1482 / B-1250 / C-1246

Gulden, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom erreichen bei einer Therapie mit Gemcitabin lediglich Überlebenszeiten von median sechs bis sieben Monaten. Deshalb wurde in der französischen Phase-II/III-Studie PRODIGE 4/ACCORD 11 als Alternative eine Dreierkombination aus 5-FU, Irinotecan und Oxaliplatin (Folfirinox) untersucht, die gegen Gemcitabin getestet wurde. Im Phase-II-Abschnitt der Studie hatte sich im Folfirinox-Arm eine Gesamtansprechrate von 31,8 % ergeben, verglichen mit 11,4 % im Gemcitabin-Arm. Durch die Fortführung als Phase-III-Studie wurden insgesamt 342 Patienten im Alter bis zu 75 Jahren mit einem ECOG-Performancestatus von 0 oder 1 sowie ausreichender Leberfunktion eingeschlossen.

Der primäre Endpunkt war die Gesamtüberlebenszeit. Sie verlängerte sich in der Folfirinox-Gruppe von median 6,8 auf 11,1 Monate (Hazard Ratio 0,57, p < 0,0001, Grafik). Nach einem Jahr waren in der Kontrollgruppe noch 20,6 %, in der Verumgruppe hingegen 48,4 % der Patienten am Leben, nach 18 Monaten 6 % vs. 18,6 %. Auch das progressionsfreie Überleben war mit median 6,4 gegenüber 3,3 Monaten nahezu verdoppelt worden (HR 0,47, p < 0,0001). Zwar gab es auch in der Folfirinox-Gruppe nur eine Komplettremission (0,6 %), aber partielle Rückbildungen waren hier mit 31 % mehr als dreimal
so häufig wie unter Gemcitabin (9,4 %, p = 0,0001).

Grad-3/4-Toxizitäten waren erwartungsgemäß unter Folfirinox häufiger, vor allem Neutropenien, Erbrechen, Fatigue und Diarrhö, aber febrile Neutropenien waren auch hier relativ selten (Grad 3/4: 5,4 %); allerdings hatten 42,5 % der Patienten in der Verumgruppe Wachstumsfaktoren erhalten gegenüber nur 5,3 % unter Gemcitabin. Dennoch hatte sich die Lebensqualität in der Verumgruppe nach sechs Monaten lediglich bei 31 % der Patienten verschlechtert, in der Kontrollgruppe dagegen bei 66 %.

Fazit: Trotz etwas vermehrter febriler Neutropenien, so die Autoren, kann die Folfirinox-Therapie bei sorgfältiger Selektion der Patienten ambulant durchgeführt werden. Prof. Dr. med. Volker Heinemann (München) kommentiert: „Diese strikten Selektionskriterien bedeuten, dass nur eine Minderheit der Patienten mit Pankreaskarzinom für diese Therapie infrage kommt, nach meiner eigenen Erfahrung rund 10–15 %.“

Außerdem sei die intensive Therapie nur für Zentren zu empfehlen, die im Umgang mit den Risiken vertraut sind. Dennoch sei die bislang beispiellose therapeutische Effektivität bemerkenswert: „Folfirinox ist damit zweifellos eine wichtige Bereicherung als therapeutische Option und Grundstein für eine neue Generation von Studien mit Gemcitabin-freien Kombinationstherapien“, meint Heinemann. „Interessant wäre, in prospektiven Studien zu klären, ob Folfirinox auch im perioperativen Bereich, z. B. als neoadjuvante Therapie, sinnvoll eingesetzt werden kann.“ Josef Gulden

Conroy T et al.: Folfirinox versus gemcitabine for metastatic pancreatic cancer. NEJM 2011; 364: 1817–25.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige