ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2011Radioaktivität: Berliner Blau als Arzneimittel
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Die Aussage, dass es keine Möglichkeit für die Prävention der Strahlenbelastung durch die Radionuklide Caesium-134 oder Caesium-137 gibt, ist nicht korrekt und bedarf der Richtigstellung. Seit Jahrzehnten gilt der Wirkstoff Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) (Berliner Blau oder Prussian blue) als Mittel der Wahl bei der Behandlung der Inkorporation radioaktiver Caesium-Nuklide. Das vom BfArM zugelassene Anwendungsgebiet des Präparats Radiogardase®-Cs mit diesem Wirkstoff lautet „Dekorporation beziehungsweise Verhinderung der Resorption von Radiocaesium (z. B. Caesium-134, Caesium-137)“. Seit 2003 ist das Präparat für diese Anwendung auch in den USA und seit 2010 zusätzlich in Japan zugelassen.

Caesium wird leicht resorbiert und unterliegt im Organismus einem enterohepatischen Kreislauf. Berliner Blau ist praktisch unlöslich und wird nach oraler Gabe nicht aufgenommen, sondern verbleibt im Gastrointestinaltrakt. Es bindet das im Darm befindliche Caesium und verhindert so dessen Resorption beziehungsweise unterbricht dessen enterohepatischen Kreislauf. Die Radionuklide werden zusammen mit dem Antidot im Stuhl ausgeschieden. Dadurch wird die Halbwertszeit der Radionuklide und damit die Strahlenbelastung des Organismus drastisch vermindert.

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Im Fall einer Vergiftung sollte das Arzneimittel möglichst unverzüglich eingenommen werden. Deshalb hat unter anderem die amerikanische Regierung nach den Anschlägen vom 11. September dieses Antidot im Rahmen eines strategischen Bevorratungsprogramms eingelagert, damit es im Notfall kurzfristig in ausreichender Menge zur Verfügung steht . . .

Dr. Johann Ruprecht, Leiter wissenschaftliche
Abteilung, HEYL Chem.-pharm. Fabrik GmbH & Co. KG, 14167 Berlin

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