ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1998„Ärzte-TÜV„ Einkaufsmodell im Sinn

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„Ärzte-TÜV„ Einkaufsmodell im Sinn

Dtsch Arztebl 1998; 95(9): A-433 / B-367 / C-341

Maus, Josef

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LNSLNS Da wäre sie also, die Lieblingsidee der Kassenoberen: Ein Ärzte-TÜV muß her, fordert Dr. Hans-
Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Ein Güte-Siegel für Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte, damit die Versicherten wissen, wo sie besonders gut, besonders schnell und vor allem besonders preiswert behandelt werden können. Gäbe es eine solche Plakette, könnten die Krankenkassen "Ärzte empfehlen, die nach den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen behandeln", schwärmt Ahrens von der schönen neuen Kassenwelt, in der dann für die Auserwählten sogar ein paar Brotkrumen mehr abfielen. Ahrens: "Diese Ärzte könnten wir auch besser bezahlen." Der oberste AOK-Kassenwart begründet seine Forderung mit der angeblichen Ineffizienz des deutschen Gesundheitswesens. Überflüssige Diagnoseverfahren und außergewöhnlich lange Verweilzeiten im Krankenhaus ließen den Handlungsbedarf erkennen. Ahrens will nach dem Beispiel der Niederlande standardisierte Leitlinien aufstellen lassen, an denen sich der Heilerfolg und damit letztlich auch die Ärzte messen lassen müßten. Nun weiß auch die "Gesundheitskasse", daß die ärztliche Ausbildung Sache des Staates, die Fort- und Weiterbildung Aufgabe der Lan­des­ärz­te­kam­mern ist. Ahrens weiß, daß Qualitätssicherung - übrigens gemeinsam mit den Krankenkassen - von den Ärzten sehr ernsthaft betrieben wird. Der AOK-Stratege dürfte ebensowenig verkennen, daß Ärzte einen Beruf ausüben, der nicht ohne Grund Heilkunst genannt wird. Dr. med. Karsten Vilmar, der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, beschreibt dies so: "Wir behandeln Patienten und keine Werkstücke, die uns die AOK anliefert."
Warum prescht Ahrens dennoch so vehement vor? Weil es ganz schnöde um Macht und Einfluß geht. Auch die Krankenkassen würden am liebsten nach dem Motto handeln dürfen: "Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird." Die Krankenkassen nennen das Einkaufsmodell - sie würden zu gerne festlegen, welche Ärzte zu welchen Konditionen tätig werden dürfen. Schöne neue Kassenwelt! Horst Seehofer tut gut daran, auf das Gleichgewicht der Kräfte zu achten. Josef Maus
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