ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/1998KERALA/SÜDINDIEN: Schippern auf den Backwaters

Supplement: Reisemagazin

KERALA/SÜDINDIEN: Schippern auf den Backwaters

Dtsch Arztebl 1998; 95(10): [16]

Clade, Harald

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LNSLNS Auf den Spuren von Vasco da Gama, der als portugiesischer Seefahrer 1498 als erster Europäer Indien auf dem Seeweg erreicht hat (1998 jährt sich der Entdeckungstag zum 500. Mal) läßt sich eine Kerala-Rundreise gut kombinieren mit einer Stippvisite in der früheren portugiesischen Kolonie Goa, dem Mekka für Badeurlauber, Ausgeflippte und "Blumenkinder", die wie einst die Beatles am Colangute Beach nördlich von Panjim noch heute Nostalgie frönen.
Sowohl Goa als auch Kerala bieten eine Reihe komfortabler traditioneller Hotels, von der Luxusklasse bis hin zur Mittel- und Standardherberge. Das Nonplusultra ist das The Leela Beach-Hotel, ein seit 1996 zu den Leading Hotels of the World zählendes Resort, in einer von Palmen umsäumten Lagunen-Landschaft am Ozean eingebettet (mit Golf-Areal). Allerdings muß man bei der Touristik- und Mittelklasse gegenüber dem europäischen Standard einige Abstriche hinsichtlich des Komforts, der Infrastruktur und des Arrondissements hinnehmen.
Wohl organisiert durch Spezial-Reiseunternehmen und buchbar in Deutschland über Spezialveranstalter und einige deutsche Charter-Airliner, wie zum Beispiel die LTU, sind Kerala-Rundreisen - von der ausgefallenen Landpartie mit den traditionellen Verkehrsmitteln bis zum "großen Elefantenmarsch", der in Trichun und anderen Orten zwischen dem 9. und 12. Januar stattfindet. Im Programm des Spezialveranstalters Comtour communication & tourism GmbH (Ruhrstraße 40, 45219 Essen-Kettwig, Tel 0 20 54/95 47 0) wird eine spezielle Tour zur Elefanten-Prozession und zudem spektakulären Schlangenbootrennen (jeweils Mitte August) offeriert - neben einem vielseitigen Programm mit Folklore und indischer Volkskunst.
Die Gäste können zwischen komfortablen Strandhotels, im typisch indischen Flair und Kerala-Landhausstil errichtet, wählen, aber auch Farmhäuser und Hotelanlagen wie etwa das direkt an den Backwaters gelegene Coconut Lagoon in Kumarakom, ein Resort der Casino-Gruppe, buchen. Viele der Resorts sind wahre Mekkas der Ayurveda-Anwendungen, einer Heilkunst, die in Indien seit Jahrtausenden gepflegt wird.
Ein Traum für Touristen: In der Nähe von Trivandrum hat der aus Münster stammende Aussteiger und inzwischen zum Indien-Experten gewordene Klaus Schleusener in mühevoller Kleinarbeit ein Refugium geschaffen: 14 luftige Bungalows an einem weitläufigen Palmenhain über den Klippen der tosenden See, wohlbehütet von einigen uniformierten Wächtern und einem lammfrommen Dobermann-Pärchen. Zwei kleine sandige Strände teilen sich die Gäste mit ein paar Fischern, die ihre schmalen Boote jeden Morgen aus fünf Balken zusammensetzen und in See stechen. Die kleinen quadratischen Holzhäuser im Kerala-Stil, reich mit Schnitzereien verziert und wieder instandgesetzt, hat Schleusener Einheimischen abgekauft und zu seinem Schmuckstück, dem "Surya Samudra Beach Resort", wieder aufbauen lassen. Hoteleigner Schleusener, früher Professor und Dozent für Historie und Germanistik an der TU von Madras, hat sich mit seinem indischen Kompagnon inzwischen auseinandergelebt; er hat den Kampf mit der örtlichen Mafia erfolgreich bestanden, die ihm seine lukrative Anlage abjagen wollte. Trotz des Götter- und Geisterglaubens in dieser Region an der sagenumwobenen Malabar-Küste wird stiekum die Alkoholgesetzgebung der Inder umgangen, nach der Normalsterbliche nur sechs Flaschen Bier im Hause haben dürfen, höhere Offiziere aber deren 24. "Kingfisher Beer" oder das nach deutscher Tradition gebraute "Anker" munden auch ohne den Schutz der Dämonenstatue im Resort. Hier gilt der weise Spruch des Patron: "Only in Kerala." Ein besonderes Highlight ist eine ungefähr 180 Kilometer lange Kreuzfahrt auf uralten originalgetreu restaurierten Reisbooten, die in Quilon starten und über ein Labyrinth von Kanälen und Süßwasser-Flußläufen via Alleppey und zum Teil auch gen Cochin schippern. Die Touren mit den Hausbooten Marke "Arche Noah" sind vom Reisemagazin "GeoSeason" mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet worden. Der indische Touristik-Pionier Babu Varghese (Chef des Reisebüros Tourindia) realisierte eine gegen Widerstände durchgesetzte Idee, abgetakelte Lastkähne in traditioneller Bauart zu komfortablen Hausbooten umzurüsten. Jedes der zehn Hausboote hat ein bis zwei Doppelkabinen mit Himmelbett - jeweils mit separater Dusche und WC ausstaffiert. Das Boot mit Bordbalkon aus Rattan wird durch einen 25-PS-Außenbordmotor betrieben. Wenn die Kanäle und Lagunen mit üppig ins Kraut schießenden Seehyazinthen übersät sind, dienen lange Bambusstangen zur Fortbewegung der Arche Noah. Die Crew der Hausboote ist angemessen stattlich. Sie versorgt aufmerksam und in einem kaum verständlichen Kauderwelsch die Möchtegern-Maharadschas. Drei Bootsmänner, ein Kapitän, ein Guide und ein quirliger Koch gehören zum Standard des Reiskahns "Sundari". Die Boote heißen auf Malayalam, der Sprache Keralas, "Kettuvallam" ("Kettu" bedeutet: Nähen; "vallam": Boot). Dies heißt wörtlich: genähtes Boot. Damit ist auch die Konstruktion der alten Lastkähne erklärt. Die noch heute in einem Fischerdorf bei Quilon werkelnden Schiffszimmerleute verwenden zur Restaurierung keinen einzigen Nagel, sondern nur Kokosschnüre, die an Ort und Stelle gedrillt werden, um die verrotteten Planken aus dem harten Holz des Jackfrucht-Baumes auszubessern und sie mit dem Harz der Cashewbäume und Fischöl zu imprägnieren.
An den Ufern der Backwaters legen die Boote während ihrer Safari nach Alleppey an. Wie an jeder Anlegestelle ein fröhliches Hallo, Gelegenheit zum Besuch eines Marktes mitten in einem quirligen Menschengewusele. Die heiligen Kühe stehen mittendrin; manche tummeln sich sogar am Badestrand.
Auch an den Ufern der Backwaters, wie überall in Südindien: imposante Tempel, christliche Kirchen und zuweilen eine verwunschene Missionsstation, etwa wie die von Father John Choola von der St. Nicholas Church in Karumany, dem wir eine Krippe.
Für Kenner der indischen Küche: superscharf gewürztes Curry- oder Chili-Ragout mit Masala, eine jedes Mahl abrundende Gewürzmischung aus Nelken, Koriander, Ingwer, Pfeffer, Kümmel, Kardamon, Senfkörnern und Knoblauch, vom Koch mit Steinmörsern gestampft und auf einem Bananenblatt serviert. Die Bordküche ist lukullisch: Meeresfrüchte satt - fangfrisch, auf indische Art scharf gewürzt. . . Dr. Harald Clade


Lage: Goa und Kerala zählen zu den 22 Union-Staaten Indiens, beide an der Südwestküste des Subkontinents gelegen. Die fläche Goas entspricht der Hessens, die von Kerala der von Baden-Württemberg. 451 Jahre war Goa portugiesisches Territorium, Kolonie. 1961 bekam Goa den Status eines bundeseigenen Territoriums, direkt der Regierung in Neu-Delhi unterstellt. Die Hauptstadt von Goa ist Panjim. - Die Hauptstadt von Kerala ist Trivandrum; die Metropole (Airport) ist Cochin. Einwohner von Goa/Kerala: rund 40 Millionen, Fläche: 45 000 qkm.
Beste Reisezeit: Zwischen November und April. Hochsaison ist im Dezember und Januar.
Anreise: Mit LTU von Düsseldorf via München jeden Donnerstag direkt nach Goa (9,5 Stunden); Anschluß nach Cochin (1,5 Stunden); mit Lufthansa oder Air India über Madras oder Bombay.
Preise und Veranstalter: Erlebnisreisen bietet Comtour (Ruhrstraße 40, 45219 Essen; Tel 0 20 54/9 54 70). Dort kostet eine 12tägige Reise (6 Tage auf einem Hausboot in den Backwaters) ab Deutschland ab 4 800 DM, eine dreitägige Bootstour mit Anschluß an andere Kerala-Trips 1 200 DM, jeweils mit Vollpension. Eine SüdindienRundreise (zum Beispiel bei Jahn Reisen) ab zirka 1 100 DM. Weitere Veranstalter: Indoculture und Kerala Discovery Bernd Symons (ländliche Aufenthalte mit Familienanschluß). Infos auch über Atash, München, Telefon: 0 89/29 00 39 60.
Infos: Comtour, Ruhrstraße 40, 45219 Essen-Kettwig, und Indisches Verkehrsamt in Frankfurt, Baseler Straße 48, 60329 Frankfurt; Tel 0 69/23 54 23; Fax 0 69/23 47 24.

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