ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2011Zöliakie nicht vergessen
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Wenn eine Folsäuresupplementierung vor der Konzeption auch nicht in jedem Fall einen Neuralrohrdefekt verhindert, kann das Risiko dieser Malformation aber bei konsequenter Folsäureeinnahme um 75 % und im Wiederholungsfall um 70 % gesenkt werden. Eine Ursache für das Nichtfunktionieren der Folsäuregabe kann in einigen Fällen das Vorliegen einer nicht erkannten Zöliakie sein. Liegt eine solche glutenbedingte Enteropathie vor, bei der es durch eine mehr oder minder ausgeprägte Zottenatrophie der Dünndarm-Schleimhaut zu einer Resorptionsstörung des Dünndarmes kommt, dann wird auch Folsäure vermindert resorbiert. An anderer Stelle haben wir ausführlich auf dieses Problem hingewiesen (1). Bei jeder Frau mit Geburt eines Kindes mit Neuralrohrdefekt ist daher unbedingt eine Zöliakie auszuschließen. Das geschieht mit Bestimmung zöliakiespezifischer serologischer Antikörper, wie den Endomysium-Antikörpern oder den Antikörpern gegen Gewebstransglutaminase. Da diese Antikörper zur Immunglobulinklasse A gehören, ist gleichzeitig ein IgA-Mangel auszuschließen. Besteht eine Antikörper-Positivität, muss das Vorliegen einer Zöliakie dünndarmbioptisch mit Hilfe der Gastroduodenoskopie bestätigt werden. Optimal wäre es, bereits bei bestehendem Kinderwunsch auf eine Zöliakie zu testen.

Neuerdings werden auch orofaziale Spaltbildungen in Zusammenhang mit einem Folsäuredefizit gesehen (2).

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0494a

Prof. Dr. med. Jobst Henker

Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt, jobst.henker@uniklinikum-dresden.de

Prof. Dr. med. Peter Zimmer

Justus-Liebig Universität, Gießen

Interessenkonflikt
Prof. Henker erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Prof. Zimmer besitzt Aktien des Rhön-Klinikums und bekommt Lizenzgebühren vom Rhön-Klinikum. Er hält ein Patent für den Gliadin-Peptid-Impfstoff. Prof. Zimmer erhielt Honorare für eine Beratertätigkeit von Sanofi und Merck. Die Firma Falk erstattete ihm Reiskosten und Teilnahmegebühren. Honorare für Vortragstätigkeiten wurde ihm von Nestlé und Falk zugewiesen. Von Nestlé erhielt er Gelder auf Drittmittelkonten.

1.
Henker J, Laass M: Einfluss der Zöliakie auf Fertilität, Schwangerschaftsverlauf und intrauterines Wachstum. Gynäkol Prax 2009; 33: 259–63; Pädiat Prax 2010; 75: 225–9.
2.
Wilcox AJ, et al.: Folic acid supplements and risk of facial clefts: national population based case-control study. BMJ 2007; 334: 464. MEDLINE
3.
Herrmann W, Obeid R: The mandatory fortification of staple foods with folic acid: A current controversy in Germany. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(15): 249–54. VOLLTEXT
1.Henker J, Laass M: Einfluss der Zöliakie auf Fertilität, Schwangerschaftsverlauf und intrauterines Wachstum. Gynäkol Prax 2009; 33: 259–63; Pädiat Prax 2010; 75: 225–9.
2.Wilcox AJ, et al.: Folic acid supplements and risk of facial clefts: national population based case-control study. BMJ 2007; 334: 464. MEDLINE
3.Herrmann W, Obeid R: The mandatory fortification of staple foods with folic acid: A current controversy in Germany. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(15): 249–54. VOLLTEXT

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