ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2011Wesentliche Charakteristika
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Die Vermittlung ärztlichen Leitlinienwissens stellt nur einen Baustein für die praktische therapeutische Anwendung von Leitlinienwissen dar. Der Weg zur klinischen Handlungskompetenz führt vom reinen Faktenwissen über die Begründung der Fakten, die Demonstration von Fertigkeiten bis hin zu deren selbstständiger Anwendung (1). Daher ist die Schlussfolgerung der Autoren, ärztliches Leitlinienwissen sei keine relevante Bezugsgröße höherer Leitlinienumsetzung, aus didaktischer Sicht eher selbstverständlich als eine Überraschung.

Die Autoren folgern, ärztliche Therapieentscheidungen seien weniger von medizinischen Daten als von Organisationsroutinen, finanziellen Rahmenbedingungen und patientenbezogenen Aspekten geprägt. Diese Schlussfolgerung bildet wesentliche Charakteristika hausärztlicher Tätigkeit ab: die Einbeziehung von Patientenpräferenzen und mitbehandelnder Fachärzte in eine gemeinsame therapeutische Entscheidungsfindung (2). Von einer Gleichverteilung dieser Faktoren in den untersuchten Praxen von Ärzten mit adäquatem oder inadäquatem Leitlinienwissen kann nicht notwendigerweise ausgegangen werden. Bedauerlicherweise wurde weder die Patientenperspektive der vorgestellten Leitlinienumsetzung erhoben, noch wurden Daten zu harten patientenrelevanten Endpunkten (Mortalität, Hospitalisierung) ermittelt.

Zur Untersuchung des Gesamtprozesses von verschiedenen Strategien zur Leitlinien-Implementierung bis hin zur Auswirkung auf die Patienten sind cluster-randomisierte Studien geeignet, in denen die unterschiedlichen Implementierungsstrategien den Arztpraxen randomisiert zugewiesen werden und eine standardisierte Behandlung der Patienten in den Vergleichsgruppen gegeben ist. Solche Studien existieren für die Behandlung und Sekundärprophylaxe kardiovaskulärer Erkrankungen in ausreichender Anzahl und Qualität (3). Vor der Erprobung neuer Implementierungshilfen wäre eine zielgruppen- und indikationsbezogene systematische Zusammenfassung und Diskussion des bereits vorhandenen Wissens sinnvoll.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0491b

Dr. rer. nat. Susanne Unverzagt

Dr. med. Andreas Klement

Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Halle

susanne.unverzagt@medizin.uni-halle.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Miller GE. The assessment of clinical skills/competence/performance. Acad Med 1990; 65: 63–7. MEDLINE
2.
Van Royen P, Beyer M, Chevallier P, et al.: The research agenda for general practice/family medicine and primary health care in Europe. Part 3. Results: person centred care, comprehensive and holistic approach. Eur J Gen Pract 2010; 16: 113–9. MEDLINE
3.
Peters-Klimm F, Müller-Tasch T, Remppis A, Szecsenyi J, Schellberg D: Improved guideline adherence to pharmacotherapy of chronic systolic heart failure in general practice – results from a cluster-randomized controlled trial of implementation of a clinical practice guideline. J Eval Clin Pract 2008; 14: 823–9. MEDLINE
4.
Karbach U, Schubert I, Hagemeister J, Ernstmann N, Pfaff H, Höpp HW: Physicians’ knowledge of and compliance with guidelines: an exploratory study in cardiovascular diseases. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(5): 61–9. VOLLTEXT
1.Miller GE. The assessment of clinical skills/competence/performance. Acad Med 1990; 65: 63–7. MEDLINE
2.Van Royen P, Beyer M, Chevallier P, et al.: The research agenda for general practice/family medicine and primary health care in Europe. Part 3. Results: person centred care, comprehensive and holistic approach. Eur J Gen Pract 2010; 16: 113–9. MEDLINE
3.Peters-Klimm F, Müller-Tasch T, Remppis A, Szecsenyi J, Schellberg D: Improved guideline adherence to pharmacotherapy of chronic systolic heart failure in general practice – results from a cluster-randomized controlled trial of implementation of a clinical practice guideline. J Eval Clin Pract 2008; 14: 823–9. MEDLINE
4.Karbach U, Schubert I, Hagemeister J, Ernstmann N, Pfaff H, Höpp HW: Physicians’ knowledge of and compliance with guidelines: an exploratory study in cardiovascular diseases. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(5): 61–9. VOLLTEXT

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