ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1998Spitzbuben in Baden-Baden

VARIA: Schlusspunkt

Spitzbuben in Baden-Baden

Dtsch Arztebl 1998; 95(11): [44]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS An diesem Wochenende findet in Baden-Baden das 6. Deutsche Ärzteschachturnier statt. Nicht der übelste Ort für Schachspieler: hier verteidigte Aljechin 1934 seinen WM-Titel gegen Bogoljubow, hier spielte Kasparow 1991 ein Uhren-Handicap gegen die deutsche Nationalmannschaft, hier ist das KarpowSchachzentrum beheimatet, und, um den Reigen bedeutender Turniere fast schon zu schließen, hier fand vor fünf Jahren schon das erste Ärzteturnier statt. Das erste Turnier in Baden-Baden überhaupt fand allerdings bereits im Jahre 1870 statt. Der österreichisch-ungarische Meister Ignaz Kolisch, der im legendären Pariser Café de la Régence Kaffeehauspartien um Geld spielte, war durch die Bekanntschaft mit dem schachliebenden Baron von Rothschild zum Bankier und dadurch natürlich auch zum Millionär geworden. Was lag näher, so wie für die Bank Hofmann beim Ärzteturnier heute, als ein Schachturnier zu unterstützen?! Fürst Stourdza war Präsident, sein "Vize" kein Geringerer als der russische Schriftsteller Iwan Turgenjew. Das ist ein anderes Kapitel: BadenBaden und seine Russen. Tolstoi (übrigens auch ein leidenschaftlicher Schachspieler) und Dostojewski verloren hier alles. Dostojewski zu Turgenjew: "Hören Sie, was man hier für Spitzbuben und Gaunern begegnet! Ein garstiges Volk, weit schlimmer und unanständiger als das unsere; und daß es unvergleichlich dümmer ist, darüber kann natürlich schon gar kein Zweifel bestehen . . ."
Nun aber ein Schlaglicht aus dem damaligen Turnier, welches trotz des Ausbruchs des deutsch-französischen Kriegs über die Bühne ging. Es gewann schließlich der "unvergleichlich dumme" Adolph Anderssen dank seines Sieges über den nachfolgenden Weltmeister Wilhelm Steinitz. In der Partie gegen Steinitz schien dessen Läuferpaar dem Turm klar überlegen. Dennoch fand Anderssen als Schwarzer eine feine Kombination mit einem unauffälligen Auftaktzug, mit dem er die Siegesstraße ansteuerte; allerdings hätte Steinitz mit einer "Gegen-Kombi" wohl remis erreichen können. Wie das alles?


Lösung:
Nach 1. ...Tb8! ließ sich Weiß den Springerbraten nicht entgehen: 2. Lxc5, sah sich aber nach 2. ...Tb2+ 3. Ke3 Da5! der unangenehmen Doppeldrohung Dd2 matt und Dxc5+ gegenüber. In der weiteren Folge 4. Td1 Dxc5+ 5. d4 exd4+ 6. Kf4 (was sonst?) bekam seinem König das Wanderdasein gar nicht - Anderssen gewann leicht. Mit dem Gegenschlag 2. Sh6+ gxh6 3. Dxf6 Txb4 4. Dxh6 (droht Dxh7 matt) Txe4+! 5. Sxe4 Sxe4 wäre es wohl remis ausgegangen.

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