ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Börsebius über Beteiligungsfonds-Ost: Leckerbissen für Steuerfüchse

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Börsebius über Beteiligungsfonds-Ost: Leckerbissen für Steuerfüchse

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es kommt in der Tat selten vor, daß eine Staatsbank Hinweise gibt, wie man klug Steuern vermeidet. Und das alles ist auch noch vom Bundesfinanzminister abgesegnet, was der Sache einen pikanten Reiz verleiht. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau schreibt in einem Dossier, das mir soeben auf den Tisch flattert: "Diese Gelegenheit, Steuern zu sparen, kommt so schnell nicht wieder." Ist da was dran, und worum geht es also?
Es geht um den Beteiligungsfonds-Ost, den Sie sofort zeichnen können (Infotelefon 0 30/20 26 45 40, Telefax 20 26 41 88). Zunächst einmal will ich kurz erzählen, was es damit auf sich hat. Aus den Geldern des Fonds soll die Eigenkapitalausstattung mittelständischer Unternehmen in den neuen Bundesländern verbessert werden. Gleichwohl ist die Bezeichnung "Beteiligungsfonds-Ost" furchtbar unglücklich gewählt, weil es sich so abschreckend nach einer riskanten Sache anhört. Das ist aber – erfreulicherweise – gerade eben nicht der Fall.
Sie leihen vielmehr als "Fördergebietsdarlehen" für eine Laufzeit von 10 Jahren der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Geld. Wieviel? Das können Sie selber bestimmen, müssen sich aber in Tranchen mindestens 10 000 Mark stufenweise nach oben bewegen. Die Gesamtsumme sollte sich aber sinnvollerweise danach richten, wieviel Steuern Sie in diesem Jahr voraussichtlich zahlen müßten. Im Zeichnungsjahr ermäßigt sich nämlich die Einkommensteuer privater Anleger um 12 Prozent des Darlehensbetrages. So weit – so gut.
Nun könnte natürlich sofort jemand auf die Idee kommen, eine so hohe Darlehenssumme zu zeichnen, daß null Steuern zu zahlen wären. Das wäre schön, geht aber nicht. Die (ursprüngliche) Steuerschuld kann höchstens halbiert werden. Beispiel über den Daumen: ursprüngliche Steuerschuld 100 000 Mark. Ein Darlehen über 400 000 Mark würde zu einer Minderung der Einkommensteuer um 48 000 Mark führen. Kein schlechtes Geschäft. Und die Zinsen? Die sind mit voraussichtlich 5 Prozent nicht gerade üppig. Dennoch riechen Steuerfüchse hier einen guten Braten. Gerade durch die niedrigen Nominalzinsen kann der Anleger die steuerlichen Freigrenzen für Kapitalerträge besser einhalten, und darüber hinaus hat die Reduzierung der Steuerschuld den Effekt eines steuerfreien Kursgewinnes! Und als Zuckerstückchen für ganz genaue Rechner: Wenn sich die Einkommensteuer reduziert, verringert sich auch die Berechnungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Und weil das so ist, wird die Nachfrage vermutlich recht hoch sein. Aber: Da der Zuschlag für die Fördergebietsdarlehen nach dem sogenannten Windhundprinzip erfolgt, gilt es also, rechtzeitig in die Startlöcher zu gehen. Börsebius
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