ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2011Schach: „Also, mir geht es gut“

SCHLUSSPUNKT

Schach: „Also, mir geht es gut“

Dtsch Arztebl 2011; 108(28-29): [92]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Neben der üppigen Entlohnung durch das Deutsche Ärzteblatt bringt diese Schachkolumne noch eine andere Gratifikation mit sich – vermutlich ist sie die einzige in einer Ärztezeitschrift (weltweit?!). Allerdings nicht die erste. Bereits 1848 gab es eine wöchentliche Schachspalte in „The Lancet”, die ausdrücklich von dem namhaften Chirurgen Sir Astley Cooper unterstützt wurde. Leider war ihr kein langes Leben beschieden, die Leser wollten mehr Informationen zu medizinischen Belangen haben und sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie man den Isolani d5 am besten belagert. Nun hoffe ich nur, dass dies in der ehrenwerten Redaktion des Deutschen Ärzteblatts niemand in die falsche Kehle bekommt; schließlich währt unsere Verbindung schon nahezu 20 Jahre, hiermit strebe ich ausdrücklich die Goldene Hochzeit an. Allerdings fürchte ich, dass ich im Zweifelsfall als Erster das Zeitliche segnen werde.

In jedem Fall kann indes, so seltsam das klingen mag, auch die Schachkolumne zur Verbreitung des Deutschen Ärzteblatts beitragen.

Anzeige

Der Facharzt für Orthopädie, Dr. med. Thomas Georgi aus Tönning in Schleswig-Holstein, schreibt mir (und unterstreicht dies mit einem Foto eines 85 × 85 cm großen Magnetschachbretts im Wartezimmer seiner Praxis, auf dem die jeweils aktuelle Aufgabe aufgebaut ist), dass die Schachspalten (die er alle in Kopien ausliegen hat) gerne mitgenommen werden. „Schon lange gibt es Nordfriesen und Dithmarscher, die sich an der Anmeldung melden: ,Also mi geiht dat good. Ick wüll nur gau disse niee Schachaufgabe hebben‘ (Also mir geht es gut. Ich möchte nur mal eben die neue Aufgabe haben).“

Den Aufsatz „Heilmittel Schach“ (Deutsches Ärzteblatt vom 4. Dezember 2009) gibt er zahlreichen Patienten mit und verweist dabei auf den islamischen Gelehrten Ibn al-Mu’tazz, der einem klerikalen Kritiker entgegenschleudert: „Ach du, der du so zynisch und spöttisch das Schachspiel tadelst, wisse, warum wir es lieben: . . . Es ist da, wann immer wir es brauchen. Es lindert den Schmerz, und droht uns Gefahr,

bedrückt uns die Angst, so ist es ein Freund in unserer Einsamkeit.”

Jetzt aber für sämtliche Nordfriesen und Dithmarscher die neue Aufgabe.

Mit welchem Opferüberfall „bestrafte” Dr. med. Günter Menge als Weißer die an und für sich stellungsgerechte, aber hier doch zu mutige „Provokation” b7-b5 mit Angriff auf den Läufer c4 durch Dr. med. Robert Wilhelm?

Lösung:

Der Opfereinschlag 1. Lxf7+! an der schwarzen Achillesferse f7 legte die unzureichende schwarze Entwicklung bloß. Nach 1. . . . Kxf7 2. Sxe5+ (der Springer ist wegen der ungedeckten Dame d8 tabu) Ke8 (auch andere Königszüge verlieren) 3. Dh5+ Ke7 4. Sxc6+ Kd8 5. Sxd8 gab Schwarz auf – das weiße Opfer machte sich mehr als bezahlt.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema