ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Medizinstudium: Kein Aufschub

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Medizinstudium: Kein Aufschub

Clade, Harald

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LNSLNS Trotz der kritischen bis ablehnenden Haltung des Medizinischen Fakultätentages und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zum erneut überarbeiteten (Vor-) Referentenentwurf einer 8. Novelle zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte und zur neuen Bundesärzteordnung bleibt die Bundes­ärzte­kammer bei ihrem prinzipiell positiven Votum zum Reformansatz aus dem Seehofer-Ministerium. Der Entwurf (Stand: Dezember 1995), der den Hochschulen sowie Verbänden und Körperschaften zur Begutachtung vorgelegt wurde, greift zahlreiche Forderungen und Anliegen der "verfaßten" Ärzteschaft auf, die auch durch eindeutige Voten verschiedener Deutscher Ärztetage bekräftigt wurden. So strebt die Reform eine intensivierte praxis-orientierte Ausrichtung des Medizinstudiums und vor allem eine Verzahnung von vorklinischem und klinischem Studienabschnitt an. Die längst überfällige Verkleinerung der Studentengruppen, die praktisch unterrichtet und am Krankenbett unterwiesen werden, soll jetzt in der neuen Ausbildungsordnung gesetzlich fundiert werden. Dazu muß allerdings die Zahl der Studienbeginner von derzeit rund 11 500 p. a. um mindestens 20 Prozent auf rund 9 000 reduziert werden (so die politischen Vorgaben aus Bonn).
Auch die Verankerung des Faches "Allgemeinmedizin" als obligatorisches Lehrgebiet an den Medizinischen Fakultäten, die höhere Gewichtung mündlicher Prüfung gegenüber dem MC-Verfahren, die Einbeziehung von Fragen der Qualitätssicherung, die Berücksichtigung gesundheitsökonomischer und medizinethischer Fragen sind ebenfalls Reformanliegen, die von der Ärzteschaft unterstützt werden. Falls der Seehofer-Entwurf tatsächlich mehr Praxisbezug herstellt, hat der bisherige Notbehelf, die obligatorische Phase des Arztes im Praktikum, keine Berechtigung mehr.
Noch sind nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und die Kapazitätsverordnung auf Länderebene noch nicht entsprechend geändert. Die Bundesländer haben noch nicht erkennen lassen, inwieweit sie die erforderlichen finanziellen, personellen und kapazitätsmäßigen Zusatzressourcen bereitstellen werden. Eine Lösung muß jedoch rasch gefunden werden, zumal die Änderungen frühestens ab dem Jahr 2000 wirksam werden können. Jeder weitere Aufschub und eine Zerfaserung der Diskussion würde den übergreifenden Anliegen entgegenstehen, nämlich die Ausbildung der Ärzte qualitativ zu verbessern. HC
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