ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1996Psychosomatik in der Gynäkologie: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

SPEKTRUM: Akut

Psychosomatik in der Gynäkologie: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Porcher-Spark, Annette

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LNSLNS Die Integration der Psychosomatik in die Frauenheilkunde verläuft in den Krankenhäusern, vor allem in Universitätskliniken, schleppend. Dieses Fazit zog Prof. Manfred Stauber auf der 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe (DGPGG) in Bremen. In einer Fragebogenaktion waren 1 019 Leiter/-innen von gynäkologischen Haupt- oder Belegabteilungen nach der praktischen Umsetzung der Psychosomatik sowie nach Fortbildung und Ausbildungsstand der Mitarbeiter befragt worden. Die Auswertung von 328 beantworteten Fragebögen machte eine hohe Wertschätzung der Psychosomatik deutlich: 91 Prozent der Befragten messen der psychosomatischen Sichtweise in der Gynäkologie eine wesentliche (48 Prozent) bis sehr wesentliche (43 Prozent) Bedeutung bei. Auf die Frage nach der Art der psychosomatischen Betreuung in der Klinik wurde in 80 Prozent der Fälle das ärztliche Gespräch genannt. Nur in 64 Kliniken stehen auch Psychologen/-innen zur Verfügung.


Allerdings: Nur in neun Prozent der Kliniken nehmen die Ärzte regelmäßig an entsprechenden Fortbildungen und/oder Balintgruppen teil. Die Organisation der Ausbildung bleibt weitgehend dem einzelnen Arzt überlassen; der Erwerb psychosomatischer Kompetenz ist somit Privatsache und häufig nur das Steckenpferd engagierter Einzelkämpfer. Einen grundlegenden Einfluß auf den Stil einer Klinik, so Stauber, kann der psychosomatische Ansatz auf diesem Weg kaum gewinnen. Als weitere Hindernisse auf dem Weg zu einer psychosomatischen Orientierung im Klinikalltag nannte er zunehmende rechtliche und finanzielle Zwänge, die überwiegend naturwissenschaftliche Ausrichtung älterer Kollegen, hierarchische Kran­ken­haus­struk­tu­ren und die in der Klinik übliche Arbeitsteilung.


Mit den bestehenden Klinikstrukturen können wir nicht psychosomatisch arbeiten", betonte der Präsident der DGPGG, Prof. Heribert Kentenich (Berlin). Als Lösungsmöglichkeiten nannte Kentenich die Schaffung multiprofessioneller Teams auf Stationsebene, durch die die Kontinuität der Therapie gewährleistet und die Bündelung der Erfahrungen der verschiedenen Berufsgruppen ermöglicht werde. Eine geringere Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Integration psychosomatischer Ansätze besteht laut Kentenich in der Praxis: Bei den niedergelassenen Ärzten habe das Interesse an Psychosomatik erheblich zugenommen angesichts der Erfahrung, daß man mit der ausschließlichen Konzentration auf somatische Aspekte vielen gesundheitlichen Problemen der Patienten nicht mehr gerecht würde. Annette Porcher-Spark

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