Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein Segen, daß die deutschen Krankenhäuser, jedenfalls die in öffentlicher Trägerschaft, so defizitär sind. Dadurch verhelfen sie nämlich der Bundesregierung dazu, die ersehnte Punktlandung bei der Einführung des Euro doch noch zu schaffen. Und das geht so:

Das Statistische Amt der Europäischen Union hat soeben ausgerechnet, daß bei der Berechnung der Netto-Neuverschuldung die Defizite der öffentlichen Krankenhäuser – rund 5 Milliarden DM – nicht einzurechnen sind. Die seien keine Staatsschuld. Denn Krankenhäuser operierten am Markt, Defizite seien somit beim Unternehmenssektor zu verbuchen und die Schulden des Staates als Kapitaleinlage zu betrachten. Dank der trickreichen Definition vermindert sich die aktuelle Staatsschuld um rund 0,2 Prozentpunkte. Und siehe da, das Euro- Kriterium von 3,0 Prozent Neuverschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ist erreicht.

Sollte Deutschland bei dem Euro-Kriterium Inflationsrate in Bedrängnis geraten, auch hier wüßten wir Rat. Im Juli ist zwar die Inflationsrate um bedrohliche 1,9 Prozent gestiegen. Doch, so vermeldet diesmal das Statistische Bundesamt, die Steigerung sei zum großen Teil auf die neuen Zuzahlungen bei Arzneimitteln zurückzuführen. Ohne die betrüge die Inflationsrate lediglich 1,6 Prozent. Spinnen wir den Gedankengang fort: Um auch hier die Punktlandung gefahrlos zu schaffen, bedarf es lediglich einer neuen Definition, nämlich, daß Zuzahlungen von Patienten – bei Medikamenten, im Krankenhaus und sonstwo – nicht als preissteigernd gewertet werden dürfen.

So hilft unsere Gesundheitspolitik der Finanzpolitik aus der Klemme. Eigentlich sollte bei der anstehenden abgesagten Kabinetts- Nichtreform das Gesundheits- mit dem Finanzressort zusammengelegt werden. Norbert Jachertz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote