Leser-Forum

Wolfgang H. Hopff, vormals Pharmakologe in Zürich, hatte schon 1994 formuliert: „Die uneingeschränkte Unterstützung paramedizinischer Behandlungsweisen durch inkompetente Medienschaffende und Politiker bereitet uns nämlich nicht nur Sorgen, sondern führt auch eine breite Öffentlichkeit in die Irre“.

Es hat sich seitdem nichts geändert – nicht in der Schweiz, nicht in Deutschland oder in den USA. Obwohl das berühmte Hahnemann Medical College in Philadelphia, Pennsylvania (USA), nach 102-jähriger Tätigkeit 1950 die Homöopathie in Forschung und Lehre aufgab, weil es nichts zu erforschen gab, kann sich nun das „National Center for Complementary and Alternative Medicine“ über einen Jahresetat von 129 Millionen Dollar erfreuen. Offenbar ist das kein Problem in einem Land, in dem Kreationisten heute noch meinen, Gott habe die Welt in sechs Tagen geschaffen – trotz Darwin.

Was mir besonders auffällt, ist allerdings das Fehlen relevanter Publikationen aus dem „National Center“. Für den Begriff „Komplementärmedizin“ hat es in der Vergangenheit schon viele Synonyme gegeben, zum Beispiel Naturheilkunde, Erfahrungsmedizin, holistische Medizin, sanfte Medizin, biologische Medizin, menschliche Medizin, humane Medizin, Ganzheitsmedizin, Gesamtmedizin, Medizin ohne Nebenwirkungen. Aber gleichgültig, welchen Terminus man bevorzugt, es sollte die Formulierung des Klinikers H. J. Dengler auf dem 89. Internistenkongress in Wiesbaden: „Alle Therapierichtungen haben die gleiche Beweislast“, nicht vergessen werden. Die beliebte Formel „Wer heilt, hat recht!“ greift dabei zu kurz. Korrekt sollte es heißen: „Wer heilt, hat recht, aber er muss beweisen, dass er wirklich geheilt hat!“ Also: Heraus aus dem Schatten! . . .

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Frank P. Meyer,
39164 Wanzleben-Börde