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Fachgesellschaft plädiert für gut geschultes Personal

Dtsch Arztebl 2015; 112(15): [17]

Kempe, Lisa

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Foto: DGSV
Foto: DGSV

Die Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV e.V.) hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Endoskopiefachberufe e.V. Anfang 2015 ihre Empfehlungen zur Aufbereitung von flexiblen Endoskopen in Reinigungs-Desinfektionsgeräten (RDG-E) aktualisiert. Maik Roitsch, Vorstandsvorsitzender der DGSV, erläutert im Interview die Problematik.

Weshalb hat Ihr Fachausschuss Qualität neue Empfehlungen ausgesprochen?

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Maik Roitsch: Endoskope werden verstärkt in den Aufbereitungsabteilungen für Medizinprodukte (AEMP) der Krankenhäuser aufbereitet, und das ist neu. Dort wurden bisher die Operationsinstrumente aufbereitet. Die flexiblen Endoskope wurden zumeist in den Endoskopieabteilungen oder im OP, also am Ort der Anwendung, aufbereitet. Heute soll die Aufbereitung aufgrund wirtschaftlicher und fachlicher Aspekte aus dem Bereich des Nutzers entfernt werden, damit dieser sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann. Die Aufbereitung von Medizinprodukten ist Kerngeschäft der AEMP, in den Kliniken auch Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung genannt. Die letzte Empfehlung für die maschinelle Aufbereitung im RDG-E stammte im Übrigen aus dem Jahre 2000 und entsprach nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik.

Wo liegen die Schwachstellen bei der Aufbereitung flexibler Endoskope?

Roitsch: Die flexiblen Endoskope sind wegen ihrer komplexen Konstruktion schwierig aufzubereiten. Die Schwachstellen liegen in den Arbeitskanälen, die bei der Anwendung kontaminiert werden und danach sachgerecht gereinigt und desinfiziert werden müssen. Die Kanäle sind sehr dünn, und da liegt das Problem. Man braucht das richtige Zubehör zur Aufbereitung: geeignete Bürsten und eine entsprechende Maschine, die alle Lumen kontrolliert spült.

Worauf muss man bei flexiblen Endoskopen besonders achten?

Roitsch: Flexible Endoskope, die nicht steril verwendet werden, gehören zur Risikostufe semikritisch B und unterliegen somit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung. Sie müssen gegebenenfalls nachgetrocknet oder in einen Trockenschrank gegeben werden. Zur Lagerung werden sie hängend in einem Endoskop-Schrank aufbewahrt. Flexible Endoskope, die in sterile Körperhöhlen eingeführt werden, müssen sterilisiert werden. Dazu werden sie in ein Sterilbarrieresystem verpackt und einem geeigneten Niedertemperatur-Sterilisationsverfahren zugeführt. Da die flexiblen Endoskope thermolabil sind, werden sie entweder mittels Wasserstoffperoxyd-Plasmasterilisation einer Formaldehyd- oder Ethylenoxydsterilisation unterzogen.

Welche Fehler werden bei der Aufbereitung am häufigsten gemacht?

Roitsch: Das fängt bei der Vorreinigung durch den Anwender an – hier müssen alle Schritte eingehalten werden. Dann muss das Endoskop richtig in das RDG-E eingelegt und alle Kanäle mit den entsprechenden Adaptern korrekt angeschlossen werden. Nach der Reinigung und Desinfektion muss das Endoskop unter aseptischen Bedingungen aus der Maschine genommen werden, um eine Rekontamination zu verhindern. Bei Restfeuchtigkeit im Endoskop und durch unsachgemäße Lagerung kann es ebenfalls zu einer Rekontamination der Endoskope kommen.

Wie entscheidend ist der Faktor Mensch für die Sicherheit und Qualität der Aufbereitung von Medizinprodukten?

Roitsch: Der Faktor Mensch spielt eine entscheidende Rolle. Wenn die Qualifikation der Mitarbeiter nicht vorhanden ist, kann es zu Fehlern bei der Aufbereitung kommen, und dies führt zur Gefährdung des Patienten. Eine besondere Gefahr birgt die Aufbereitung von sogenannten semikritischen Medizinprodukten. Diese werden desinfiziert angewendet. Dabei fehlen somit zwei wichtige Schritte der Aufbereitung: die Verpackung und die Sterilisation. Beide machen den Prozess insgesamt sicherer und weniger fehleranfällig. Die Validierung des gesamten Aufbereitungsprozesses ist heute Standard. Vor allem bei den manuellen Teilprozessen steckt der Teufel im Detail. Die maschinellen Prozesse können nur so gut sein wie die manuellen Vorbereitungsprozesse. Wird ein Endoskop falsch in ein RDG-E eingelegt oder nicht korrekt vorgereinigt, kann auch der validierte maschinelle Prozess nicht korrekt funktionieren.

Gerade deshalb ist es besonders wichtig, das Personal sehr gut zu schulen. Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung fordert die Sachkenntnis, in der KRINKO RKI-/BfArM-Empfehlung zu den Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten wird dies konkretisiert und die Bedeutung der Sachkenntnis näher beschrieben. Das Personal erlangt die Sachkenntnis durch Teilnahme an Fach- und Sachkundelehrgängen, die in den anerkannten Bildungsstätten der DGSV angeboten werden. Die Aktualisierung des Wissens erfolgt durch den Besuch von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, die zum Beispiel von den Medizinprodukteherstellern, den Fachverbänden und den Bildungseinrichtungen angeboten werden. Dringend erforderlich aus Sicht der DGSV ist aber die Schaffung eines Ausbildungsberufes zur Fachkraft für Medizinprodukteaufbereitung.

Die Fragen stellte Dr. rer. nat. Lisa Kempe.

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