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SUPPLEMENT: PRAXiS

Aufbereitung von Medizinprodukten: Endoskop-Hygiene auf dem Prüfstand

Dtsch Arztebl 2015; 112(15): [15]

Kempe, Lisa

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Bei der Aufbereitung von flexiblen Endoskopen steckt der Teufel im Detail: Die Einzelteile sind oft sehr klein und schwer zugänglich. Reinigung, Transport und Lagerung erfordern deshalb spezielle Sachkenntnis.

Foto: mautitius images
Foto: mautitius images

Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausbrüche von nosokomialen Infektionen und der steigenden Zahl multiresistenter Erreger ist die Hygiene in der Endoskopie ein vieldiskutiertes Thema. Denn viele Infektionen, die in Zusammenhang mit einem operativen Eingriff auftreten, werden auf die mangelhafte Reinigung oder Desinfektion von wiederaufbereiteten Endoskopen zurückgeführt.

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„Bei flexiblen Endoskopen handelt es sich um sehr komplexe Medizinprodukte mit langen, dünnen Kanälen, wie zum Beispiel Instrumentier-, Luft- oder Wasserkanal. Durch den Instrumentierkanal kann Zusatzinstrumentarium zur Entnahme von Gewebeproben eingeführt werden. Eine optische Beurteilung des Aufbereitungserfolges ist in diesen Kanälen nicht möglich“, erklärt Dr. Birgit Kampf, Manager Processing & Hygiene bei Pentax Medical. „Die Hersteller suchen deshalb ständig nach neuen Lösungsansätzen. So hat Pentax beispielsweise bei seinen Duodenoskopen den Steuerdrahtkanal gekapselt, um das Risiko einer Kontamination zu verhindern.“

Mit dem technischen Fortschritt ist in den vergangenen Jahren der Aufbau der flexiblen Endoskope komplizierter geworden. Die Geräte verfügen über empfindliche Optiken und feine Instrumente für minimalinvasive Eingriffe. Dadurch wird jedoch deren Reinigung und Aufbereitung komplexer und erfordert zunehmend ein detailliertes technisches Verständnis beim Operations- und Reinigungspersonal. Auch wenn die Aufbereitung von flexiblen Endoskopen in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden ist, halten Experten sie heute dennoch für deutlich sicherer. Dies ist unter anderem den detaillierten Regularien der Medizinprodukte-Gesetzgebung zu verdanken. Hierzulande definiert die gemeinsame Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (KRINKO RKI-/BfArM-Empfehlung) die spezifischen Aspekte der Aufbereitung flexibler Endoskope. Sie bildet die Basis für weitere Leitlinien und Normen, die die verschiedenen Aufbereitungsprozesse festlegen.

Die Betreiber von Anlagen zur Aufbereitung von Medizinprodukten müssen über ein breites Hygienewissen verfügen, um die geforderten Maßnahmen zur Qualitätssicherung erfüllen zu können: Dazu zählen eine Risikobewertung und Einstufung in Risikobereiche, die schriftliche Festlegung sämtlicher Aufbereitungsschritte in Standardarbeitsanweisungen und eine entsprechende Dokumentation.

Der Faktor Mensch spielt bei der Aufbereitung eine entscheidende Rolle: Fachkraft beim Nach - trocknen von gereinigten Endoskopen. Foto: picture alliance
Der Faktor Mensch spielt bei der Aufbereitung eine entscheidende Rolle: Fachkraft beim Nach - trocknen von gereinigten Endoskopen. Foto: picture alliance

Unsicherheiten bei Umsetzung im Alltag

„Es ist nicht einfach, im Hygienemanagement alle gesetzlichen Vorschriften aus den verschiedenen Bereichen – Sozialgesetzbuch V, Infektionsschutz-, Medizinprodukte- und Arbeitsschutzgesetz – einzuhalten“, erläutert Stefan Franke, Anwendungsspezialist für Hygiene der B. Braun Melsungen AG. „Wir stellen immer wieder fest, dass es den Anwendern bei der Umsetzung der Vorschriften im Alltag an Klarheit fehlt. Denn sowohl Experten als auch die Überwachungsbehörden agieren nicht immer homogen. Unterschiedliche Ansätze für die Handhabung der Hygiene führen trotz vorhandener Empfehlungen, Richtlinien, Regeln und Leitlinien zu Unsicherheit bei den Anwendern und erschweren auch uns die Vermittlung von Hygienewissen auf Basis einheitlicher Standards.“ Franke beobachtet insbesondere im ambulanten Sektor ein großes Interesse an den komplexen Hygienethemen. Er schätzt, dass allein B. Braun in Deutschland mehr als 4 000 Anwender im niedergelassenen Bereich jährlich über Kongresse, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Hygiene erreicht.

Flexible Endoskope beispielsweise für die Koloskopie, Gastroskopie oder Bronchoskopie, sind nach ihrem Einsatz meist erheblich kontaminiert: Proteine, Erreger und Blut haften an, bilden Biofilme und Verkrustungen. Experten empfehlen heute die maschinelle Aufbereitung und Desinfektion von flexiblen Endoskopen in einem speziellen Reinigungs- und Desinfektionsgerät für Endoskope (RDG-E).

Vorreingung per Hand

Eine Vorreinigung von Hand bleibt auch dann nicht erspart. Dr. Ingolf Mesecke-von Rheinbaben, General Manager Gastroenterology & Respiratory Endoscopy bei Olympus, erklärt worauf es dabei ankommt: „Wie bei allen wiederverwendbaren medizinischen Produkten spielt die gründliche Aufbereitung eine große Rolle, und eine akribische Durchführung der manuellen Reinigung ist essenziell. Die Grundlage der Aufbereitung bildet die dem Endoskop beigefügte Aufbereitungsanleitung, deren Anweisungen in allen Schritten zu folgen ist. Die manuelle Reinigung ist ein wichtiger Schritt, in dem das Endoskop für die nachfolgende Desinfektion vorbereitet wird – egal, ob diese manuell oder in einem RDG-E erfolgt.“

Olympus hat bereits seit 25 Jahren Erfahrung mit Maschinen für die Endoskop-Reinigung und sieht sich als Systemanbieter für die Aufbereitung der Geräte: Aufbereitungsautomaten, Trocken- und Lagerschränke sowie Transportsystem sind aufeinander abgestimmt. Laut Mesecke-von Rheinbaben sollten bei allen Aufbereitungsschritten validierte Produkte eingesetzt werden, um einen hohen Sicherheitsstandard für Patienten zu gewährleisten. Transport, manuelle Reinigung, maschinelle Aufbereitung und Lagerung eines Endoskops seien idealerweise systemisch aufeinander abgestimmt und würden durch ein umfassendes Dokumentationssystem begleitet. Dr. rer. nat. Lisa Kempe

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