ArchivRechercheInterview: Frustriert
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Die schöne Regelmäßigkeit mit der die Nachwuchssorgen im DÄ diskutiert werden, erscheint auf meiner Seite als Hohn. Ich bin Assistenzarzt und konnte mir meine Stelle quasi aussuchen. Meine Freundin jedoch wird dadurch nur noch frustrierter: Sie wollte schon immer, als Kind schon, Ärztin werden. Nach ihrem Abitur mit „nur“ 2,5er-Schnitt bewarb sie sich bei der ZVS und erhielt – natürlich – keinen Studienplatz. Da ihr nichts ferner liegt als Untätigkeit, wurde sie erst einmal Krankenschwester – die Beste ihres Jahrgangs. Danach arbeitete sie ein Jahr als solche, bis zur totalen Erschöpfung und bewarb sich dennoch erneut bei der ZVS. Dann war es soweit – sie erhielt einen Teilstudienplatz in Mainz. Innerhalb von einem Tag kündigte sie ihre Stelle und fing an zu studieren. Jetzt, nach zwei Jahren Studium und bestandenem Physikum, steht sie im Vakuum. Der Teilstudienplatz ist vorbei, einen Vollstudienplatz hat sie nicht. Sie hat sich an insgesamt 27 Universitäten beworben und bis heute sieben Absagen erhalten . . .

Einige Universitäten setzten die Frist zur Nachreichung der notwendigen Unterlagen sogar vor dem offiziellen Versand der Physikumszeugnisse – also für die aktuellen Studenten gar nicht einhaltbar. Sie weiß nicht, ob sie sich nun erneut als Krankenschwester bewerben soll oder weiter warten darf. Dieser Monat also geht ihr und der Volkswirtschaft verloren. Sollte sie keinen Studienplatz für die Klinik bekommen, waren die letzten zwei Jahre vergebens – vergebene Tränen, vergebener Verzicht auf Freizeit, vergebener Verzicht auf Einkommen. Das Traurige daran ist, dass . . . meine Freundin den Beruf Arzt als Berufung sieht. So etwas haben weder sie noch Hunderte anderer Studenten . . . verdient. Wer so weit kommt und so dringend von der Politik, den öffentlichen Kliniken, der Bevölkerung und vor allem den Patienten gebraucht wird, darf nicht so hängengelassen werden . . .

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Alexander Gräf, 57080 Siegen

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