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Edvard Munch: Ein Glücksfall für die bildende Kunst

Brath, Klaus; Clade, Harald

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Der Lübecker Augenarzt Max Linde wurde Munchs erster Förderer in Deutschland und ein verständnisvoller Freund.

In der Londoner Ausstellung werden etwa 130 Werke von Munch gezeigt. Dabei steht das Spätwerk des Künstlers im Mittelpunkt. Foto: picture alliance
In der Londoner Ausstellung werden etwa 130 Werke von Munch gezeigt. Dabei steht das Spätwerk des Künstlers im Mittelpunkt. Foto: picture alliance

Der Welterfolg des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944) ließ lange auf sich warten. Kaum bekannt ist, dass die Laufbahn des Wegbereiters des Expressionismus durch einen ärztlichen Förderer mächtig Auftrieb bekam. Der Lübecker Augenarzt Dr. med. Max Linde wurde Munchs erster Förderer in Deutschland und ein verständnisvoller Freund. Bereits 1902, im Jahr ihres Kennenlernens, schrieb Linde eine Monografie über den Künstler. Ihr prophetischer Titel: „Edvard Munch und die Kunst der Zukunft.“

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Linde (1862–1940) arbeitete zunächst als Schiffsarzt und praktischer Arzt. Nach dreijähriger Fortbildung beim renommierten Ophthalmologen Julius Hirschberg in Berlin eröffnete er 1898 in seiner Heimatstadt eine Augenarztpraxis, die er bis 1926 führte. Doch nicht als Arzt, sondern als Besitzer einer Kunstsammlung von internationalem Rang erlangte Linde überregionale Bedeutung. Verheiratet mit der Tochter eines vermögenden Hamburger Kaufmanns, erwarb er 1898 ein Landhaus, in dessen erlesenes Mobiliar er schon bald einzigartige Kunstwerke einfügte.

1902 lud Linde Munch in die Hansestadt ein. Bis 1907 schuf Munch in Lübeck Werke, die seinen Ruhm in Europa mit begründeten. So hielt er etwa auf 16 Blättern das Leben der Familie Linde in ihrer Villa fest. Wenngleich es zwischenzeitlich atmosphärische Spannungen gab, so hielt die Freundschaft zwischen dem Künstler und seinem Auftraggeber bis zum Tod Lindes 1940. Lindes Sammlung hielt nicht so lang – sein Vermögen fiel der Inflation zum Opfer, die Kunstwerke wurden versteigert.

Meisterwerke von Munch in Köln und London

Es ist das Verdienst des Kunsthistorikers Carl Georg Heise, Werke von Munch aus der Sammlung Lindes für Lübeck bewahrt zu haben: Als erstes deutsches Museum widmete der Museumsdirektor 1921 im Lübecker Behnhaus Edvard Munch einen eigenen Raum. Inmitten Lübecks mittelalterlicher Hansestadt gelegen, wurde das Behnhaus in den 70er Jahren um das Dräger-Haus ergänzt. Die zwei nebeneinanderliegenden repräsentativen Kaufmannshäuser des 18. Jahrhunderts beherbergen heute eine ansprechende Galerie des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne.

Meisterwerke von Munch sind zurzeit auch in zwei Ausstellungen in Köln und in London zu bewundern. Bis 30. Dezember sind im Wallraf-Richartz-Museum aus Anlass der Ausstellung „1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundes“, 120 Gemälde und Skulpturen aus aller Welt vereint, darunter einige Leihgaben aus dem Munch-Museum in Oslo. Die Munch-Ausstellung in der Kunsthalle Tate Modern in London ist bis 12. Oktober zu sehen. In dieser Schau werden etwa 130 Werke gezeigt. Die Ausstellung stellt das Spätwerk des Künstlers in den Mittelpunkt. Dem Urteil von Kunstkritikern, die Munchs Bilder in erster Linie psychoanalytisch deuteten und das Klischee vom einsamen Nordeuropäer hegten, setzt die Londoner Ausstellung einen anderen Munch entgegen: einen Künstler, der oft ins Kino ging, zeitlebens viel reiste und in Weltstädten einige seiner Werke schuf.

Klaus Brath, Harald Clade

@Informationen: www.museum-behnhaus-draegerhaus.de, www.tate.org.uk, www.wallraf.museum

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