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Verdacht auf Sarkozystose nach Malaysia-Urlaub

Slesak, Günther; Schäfer, Johannes

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Im Zeitraum vom 1. bis 17. Oktober haben neun Patienten die Ambulanz der Tropenklinik Tübingen konsultiert, bei denen aufgrund von charakteristischen Symptomen und Laborbefunden der klinische Verdacht auf eine invasive Sarkozystose-Infektion gestellt wurde. Alle Patienten hatten sich im Zeitraum vom 21. August bis 2. September 2012 als Touristen auf der Tioman-Insel an der Ostküste Malaysias aufgehalten. Bei allen waren erste Symptome innerhalb von sechs bis 22 Tagen nach dem Aufenthalt auf Tioman aufgetreten.

In acht von neun Fällen traten zuerst unspezifische Symptome mit rezidivierendem Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen auf. Im weiteren Verlauf traten ausgeprägte Myalgien an Armen und Beinen sowie rezidivierendes Fieber bis 39 Grad Celsius auf. Teilweise ist der Verlauf schubförmig, mit intermittierender Besserung der Muskelschmerzen und des Fiebers. Im Labor fand man jeweils eine ausgeprägte Eosinophilie sowie einen CK-Anstieg. In einem Fall fanden sich nur Laborveränderungen ohne klinische Symptome. Aufgrund der unspezifischen Beschwerden ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen. Zudem hatten die Patienten bereits mehrere Ärzte konsultiert.

Bei der Sarkozystose handelt es sich um eine in tropischen und subtropischen Ländern vorkommende parasitäre Infektion durch intrazelluläre Protozoen der Gattung Sarcocystis. Bei der intestinalen Sarkozystose kommt es nach Verzehr von infiziertem rohem Fleisch zu einer intestinalen Infektion mit abdominellen Beschwerden und Durchfällen. Die im Stuhl ausgeschiedenen Sporozysten können nach oraler Aufnahme durch Tiere (zum Beispiel Rinder oder Schweine) zu einem Befall der Muskeln führen. Bisher wurde diese invasive Form der Sarkozystose bei Menschen nur selten beobachtet. Die Infektion erfolgt dabei durch mit Tierkot infizierte Nahrung oder kontaminiertes Wasser.

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Eine sichere Diagnostik ist nur durch den direkten Erregernachweis in der Muskelbiopsie möglich. Weitere Untersuchungsmethoden (Serologie, PCR) sind in Entwicklung. Die Diagnose beruht daher auf der typischen Trias: Reiseanamnese, protrahierte Myalgien ( ± Fieber), typische Laborbefunde (Eosinophilie, CK-Erhöhung). Eine wirksame Therapie ist nicht bekannt. In Analogie zur Trichinellose wird überwiegend eine Kombination aus Kortisonstoßtherapie und antiparasitärer Therapie mit Albendazol über zwei Wochen angewandt – allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Dr. med. Günther Slesak, Dr. med. Johannes Schäfer

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