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Die Studie von Kutschmann et al. (1) zeigt, dass für kleine Frühgeborene das Sterberisiko in kleineren Kliniken um 34 % höher ist als in großen. Da die risikoadjustierte Mortalität in zahlreichen kleinen Kliniken unterdurchschnittlich und in einigen Perinatalzentren überdurchschnittlich war, folgern die Autoren, dass die Fallzahl ein ungeeigneter Indikator für die Qualität der Frühgeborenenversorgung sei. Die starke Streuung der Mortalität in kleinen Kliniken kann jedoch nach den Regeln der Stochastik auch alleine aufgrund der geringen Fallzahl pro Klinik zustande kommen. Die niedrigere Mortalitätsrate über einen Zeitraum von drei Jahren bei einigen kleinen Kliniken ist somit möglicherweise nur ein Effekt kleiner Fallzahlen und kein Argument gegen eine auch unter anderen Gesichtspunkten sinnvolle Regionalisieung der Versorgung sehr unreifer Frühgeborener.

Trotz Risikoadjusterung wurde die Mortalität systematisch zuungunsten der Perinatalzentren berechnet:

Durch die Nicht-Berücksichtigung der weiter- und zuverlegten Frühgeborenen (17,5 % der Kohorte) kommt es zu einer scheinbaren Reduktion der Mortalität in kleinen Kliniken (Frühgeborene, die von dort in große Kliniken verlegt werden, haben meist schwere Komplikationen) und zu einer scheinbaren Erhöhung der Mortalität in großen Kliniken (da Verlegungen von dort in kleine Kliniken meist bei gesundheitlich stabilen Kindern stattfinden).

Bei der Risikoadjustierung wurden Parameter berücksichtigt, die eine schlechte Grundversorgung der Frühgeborenen (Basendefizit, maximale FiO2) als risikoerhöhendes Moment einberechnen. Diese Größen sind jedoch beeinflussbar und spiegeln die Kompetenz des geburtshilflichen und neonatologischen Teams wider; ihre Einbeziehung in die Risikoadjustierung verwischt Unterschiede der Behandlungsqualität verschiedener Kliniken.

Leider wurden die Mortalitätsunterschiede nicht nach dem Gestationsalter stratifiziert, obwohl die Unterschiede zwischen großen und kleinen Kliniken mit fallendem Gestationsalter stark zunehmen (24). Dadurch hätten Anhaltspunkte für die Frage gewonnen werden können, unterhalb welchem Gestationsalter eine stärkere Regionalisierung der Frühgeborenenversorgung effektiv wäre.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0116b

Dr. med. Norbert Teig, Abteilung für Neonatologie und pädiatrische
Intensivmedizin, Universitätskinderklinik und Perinatalzentrum Bochum
norbert.teig@ruhr-uni-bochum.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kutschmann M, Bungard S, Kötting J, Trümner A, Fusch C, Veit C:
The care of preterm infants with birth weight below 1 250 g: risk-adjusted quality benchmarking as part of validating a caseload-based management system. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(31–32): 519–26 VOLLTEXT
2.
Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Damann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. CrossRef MEDLINE
3.
Teig N, Wolf HG, Bücker-Nott HJ: Mortalität bei Frühgeborenen < 32 Schwangerschaftswochen in Abhängigkeit von Versorgungsstufe und Patientenvolumen in Nordrhein-Westfalen. Z Geburtshilfe Neonatol 2007; 211: 118–22. CrossRef MEDLINE
4.
Trotter A, Pohlandt F: Aktuelle Ergebnisqualität der Versorgung von Frühgeborenen < 1 500 g Geburtsgewicht als Grundlage für eine Regionalisierung der Risikogeburten. Z Geburtshilfe Neonatol 2010; 214: 55–61. CrossRef MEDLINE
1.Kutschmann M, Bungard S, Kötting J, Trümner A, Fusch C, Veit C:
The care of preterm infants with birth weight below 1 250 g: risk-adjusted quality benchmarking as part of validating a caseload-based management system. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(31–32): 519–26 VOLLTEXT
2.Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Damann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. CrossRef MEDLINE
3.Teig N, Wolf HG, Bücker-Nott HJ: Mortalität bei Frühgeborenen < 32 Schwangerschaftswochen in Abhängigkeit von Versorgungsstufe und Patientenvolumen in Nordrhein-Westfalen. Z Geburtshilfe Neonatol 2007; 211: 118–22. CrossRef MEDLINE
4.Trotter A, Pohlandt F: Aktuelle Ergebnisqualität der Versorgung von Frühgeborenen < 1 500 g Geburtsgewicht als Grundlage für eine Regionalisierung der Risikogeburten. Z Geburtshilfe Neonatol 2010; 214: 55–61. CrossRef MEDLINE

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