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Behandlungsfehler: Lesenswerte Zusammenfassung

Erdmann, Erland

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Zunehmend müssen sich Ärzte mit Vorwürfen über tatsächliche oder vermeintliche Fehler bei diagnostischen Maßnahmen und entsprechenden Haftungsfragen befassen. Johannes Köbberling, selbst seit vielen Jahren Mitglied der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler der Ärztekammer Nordrhein, hat dazu ein übersichtliches Buch verfasst.

Die einzelnen Kapitel über die verschiedenen Fehlermöglichkeiten, Irrtümer, Hilfen zur Vermeidung von Diagnosefehlern und den richtigen Umgang mit dem eigenen Fehler enthalten viele Beispiele aus der Praxis sowie bewertende ärztliche und juristische Erklärungen. Ausführlich wird die Bedeutung der Beweislast erklärt, und es wird auf die Aufklärungsobliegenheiten hingewiesen, die auch für diagnostische Maßnahmen gelten. Etwa ein Viertel aller Vorwürfe über Behandlungsfehler beziehen sich auf Diagnosefehler. Den meisten Ärzten sind die rechtlichen Aspekte, die sich im Zusammenhang mit möglichen Diagnosefehlern ergeben, nur unzureichend bekannt.

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Interessant ist, wie durch ärztliche Gutachter oder andere Instanzen die Zuordnung bei der unscharfen Grenze zwischen „noch vertretbar“ (Diagnoseirrtum) und „für den gewissenhaften Arzt nicht mehr vertretbar“ (Diagnosefehler) vorgenommen wird. Diese in der Rechtsprechung entwickelten und in das Patientenrechtegesetz vom Februar 2013 übernommenen Definitionen lassen aber breite Deutungs- und Ermessensspielräume zu.

Ausführlich wird auf den „Befunderhebungsfehler“ eingegangen, der dazu führen kann, dass ein einfacher Diagnosefehler zu einem groben Behandlungsfehler mit Beweislastumkehr wird. Dieses komplizierte Konstrukt mit mehrstufiger Beweiswürdigung ist ebenfalls in das Patientenrechtegesetz aufgenommen worden. Die meisten Dia- gnosefehler sind erfahrungsgemäß nicht durch medizinische Inkompetenz, sondern durch organisatorische Versäumnisse entstanden. Genannt werden unter anderem ein Nichtabwarten der Ergebnisse erhobener Befunde, eine fehlende Dokumentation oder ein Verlust von Befunden, eine mangelnde Beachtung externer Hinweise, eine mangelnde Überwachung beziehungsweise fehlende Verlaufsbeobachtung. Hingewiesen wird auch auf die Verpflichtung des Arztes, zufällig erhobene Untersuchungsergebnisse diagnostisch und gegebenenfalls therapeutisch zu berücksichtigen. Ausführliche Hinweise zum Verhalten im Schadensfall runden diese lesenswerte Zusammenfassung der verschiedenen medizinischen und rechtlichen Probleme im ärztlichen Alltag ab. Alle Ärzte und besonders diejenigen, die auch gutachterlich tätig sind, werden von diesem Buch profitieren. Erland Erdmann

Johannes Köbberling: Diagnoseirrtum, Diagnosefehler, Befunderhebungsfehler. Verlag Versicherungswirtschaft, Karlsruhe 2013, 181 Seiten, kartoniert, 39 Euro

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