ArchivRechercheAdrenalin als Mittel der Wahl
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Worm et al. (1) stellen richtig dar, dass die Gabe von Adrenalin beim anaphylaktischen Schock die entscheidende Therapiemaßnahme ist. Wenn man sich die Realität ansieht (Grafik 4), dann bekommen fast alle Anaphylaxiepatienten Antihistaminika (H1-Rezeptorantagonisten) und Glukokortikoide, aber nur 20 % Adrenalin. Aus pharmakologischer Sicht ist herauszustellen, dass H1-Rezeptorantagonisten vor allem bei Urtikaria wirksam sind, aber nicht bei Asthma, Herz-Kreislauf-Versagen und Ödemen im Mund-Larynxbereich (2). Adrenalin beeinflusst alle diese Parameter bei der Anaphylaxie positiv: Über β2-Adrenozeptoren kommt es zu einer Bronochdilatation, über α1-Adrenozeptoren zu einer Vasokonstriktion und damit zu einer Abschwellung im Mund-Larynxbereich und über β1-Adrenozeptoren zu einer Förderung der Herzfunktion. Dieses multidimensionale Wirkungsspektrum von Adrenalin adressiert alle Kernsymptome der Anaphylaxie. Entscheidend beim Adrenalin ist auch der sofortige Wirkungseintritt. Hingegen ist der Wirkungseintritt der Glukortikoide viel zu langsam und hat eher prophylaktischen Wert. Die Forderung von Worm et al. (1), dass Ärzte im Umgang mit Adrenalin für den anaphylaktischen Schock besser geschult werden sollten, ist daher zu unterstützen. Für Patienten mit wiederholten Anaphylaxien stehen auch Adrenalin-Autoinjektoren zur Verfügung (2), deren Anwendung leicht erlernbar ist und mit denen das Intervall zwischen dem Auftreten der Anaphylaxie und dem Eintreffen des Notarztes überbrückt werden kann.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0059a

Prof. Dr. med. Roland Seifert

Institut für Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover

seifert.roland@mh-hannover.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Worm M, Eckermann O, Dölle S, et al.: Triggers and treatment of anaphylaxis: an analysis of 4000 cases from Germany, Austria and Switzerland. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 367–75. VOLLTEXT
2.
Ring J, Beyer K, Biederman T, et al.: Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. Allergo J 2014, im Druck.
1.Worm M, Eckermann O, Dölle S, et al.: Triggers and treatment of anaphylaxis: an analysis of 4000 cases from Germany, Austria and Switzerland. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 367–75. VOLLTEXT
2.Ring J, Beyer K, Biederman T, et al.: Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. Allergo J 2014, im Druck.

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