ArchivRechercheGroße Kollateralschäden
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In der Literaturrecherche zu Ausmaß und Problemen mit der Verschreibung von Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepin-Agonisten (1) wird deutlich, wie groß der gesundheitliche Schaden durch die unkritische und gefällige Verschreibung dieser Substanzen ist. Wenn 50 % der Verordnungen von 230 Millionen Tagesdosen auch für GKV-Patienten auf Privatrezepten erfolgen, muss man davon ausgehen, dass eine problematische Einnahme länger als vier Wochen mit 20 % aller Verordnungen noch deutlich unterschätzt wird. Leider gehen die Autoren bei den schädlichen Effekten nur auf die Abhängigkeitsproblematik ein.

Da eine kanadische Arbeitsgruppe im British Medical Journal jüngst eine klare Assoziation zwischen einer längeren Einnahme von Benzodiazepinen bei älteren Menschen mit Alzheimer-Symptomen publizierte (1), könnte es gut sein, dass die epidemieartige Zunahme der Alzheimer-Diagnosen neben der häufigen Verkennung arteriosklerotischer Enzephalopathien eine einfache Erklärung findet, die nichts mit der verlängerten Lebenserwartung zu tun hat. Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass sich eine auch mit hohem Forschungsaufwand beackerte idiopathische Erkrankung als gigantischer ärztlich verursachter Kollateralschaden erweisen könnte.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0603a

PD Dr. med. Gerd Reuther
Saalfeld/Saale
gerd.reuther@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Janhsen K, Roser P, Hoffmann K: The problems of long-term treatment with benzodiazepines and related substances—prescribing practice, epidemiology and the treatment of withdrawal. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1–7 VOLLTEXT
2.
Billioti de Gage S, Moride Y, Ducruet T, Kurth T, et al.: Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: case-control study. BMJ 2014; 349: g5205 CrossRefMEDLINE PubMed Central
1.Janhsen K, Roser P, Hoffmann K: The problems of long-term treatment with benzodiazepines and related substances—prescribing practice, epidemiology and the treatment of withdrawal. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1–7 VOLLTEXT
2.Billioti de Gage S, Moride Y, Ducruet T, Kurth T, et al.: Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: case-control study. BMJ 2014; 349: g5205 CrossRefMEDLINE PubMed Central

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