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SCHLUSSPUNKT

Schach: Höhlenforscherprobleme

Dtsch Arztebl 2015; 112(39): [52]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Der Kölner Gynäkologe Dr. med. Christian Cimbollek, ein treuer Teilnehmer der Ärzteschachturniere und fantasiereicher Kombinationskünstler, wird von einem Freund gern als „Höhlenforscher“ tituliert. So weit, so verständlich – aber wie ist das bei Urologen? Auch deren Wirken spielt sich ja zumindest teilweise „unterirdisch“ ab. Und was mir auffällt, zwei der mir bekannten schachspielenden Urologen komponieren auch gern Schachprobleme. Erfinden also Situationen, bei denen der gegnerische König auf einem höchst kunstvollen und einzigartigen Weg vom Leben zum Tode gebracht wird.

Dr. med. Ulrich Zenker, Spitzenspieler der Schachunion Ebersberg-Grafing, ist zwar offensichtlich ein starker Spieler, was er bei den Ärzteturnieren des öfteren bewiesen hat, aber obendrein Komponist von besonders komplizierten Schachproblemen, sogenannten „Hilfsmatts“. Da diese meinen Horizont übersteigen, will ich mich an keine Beschreibung wagen. Leichter fällt mir da die Kost seines urologischen Kollegen, Dipl.-Med. Matthias Hentschel aus Dresden. Für alle, die es unten zwickt und zwackt, leicht zu finden – die Praxis liegt direkt am „Blauen Wunder“.

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Ich berichtete vor fünf Jahren schon einmal an dieser Stelle über Dipl.-Med. Hentschel, der seine Probleme regelmäßig in der „Sächsischen Zeitung“ veröffentlicht und mir einige lustigerweise auf der Rückseite der Aufforderung zur Harnflussmessung und Restharnbestimmung (bitte ausreichend trinken und mit gefüllter Blase in der Praxis melden!) zuschickte.

Diesmal war die Mitteilung konventioneller, dafür berichtete er aber von einem ungewöhnlichen urologischen Problem, welches auf kuriose Weise die Verbundenheit zwischen Schach und Urologie aufzeigt.

„Der Patient kam mit ’Stechen im Genitalbereich’ in meine Praxis. Zur Untersuchung musste er natürlich die Hosen herunterlassen. Und zur allgemeinen Überraschung von Patient und Arzt kam in seiner Unterhose ein kleiner Holzspeer zum Vorschein, der glücklicherweise nicht im Hodensack oder Penis steckte, aber mit seiner Spitze die Symptomatik hervorrief.

Aber wie kommt ein kleiner Holzspeer überhaupt in eine Unterhose? Der Patient ist Schachspieler und sammelt afrikanische Schachspiele. Eines, bei dem die Bauern kleine Krieger mit Speeren waren, hatte er gerade ersteigert, wobei beim Auspacken einer dieser Bauernkrieger offenbar seinen Speer verlor. Wie sich der Speer den Weg in die Unterhose gebahnt hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Auf alle Fälle piekste er permanent in die Weichteile. Ein Fall für den Urologen! Wenn sich alle urologischen Beschwerden so leicht lösen ließen . . . !“

Schwerer dürfte Herrn Hentschels beigefügtes Problem zu lösen sein. Aber vielleicht erwarten Sie dabei ähnliche Wonnen wie den leidenschaftlichen Problemkomponisten Vladimir Nabokov: „Häufig spürte ich mitten am Tag, am Rande irgendeiner trivialen Beschäftigung, wie ich vor lebhaftem geistigen Vergnügen zusammenzuckte, während sich unversehens die Knospe eines Schachproblems in meinem Kopf öffnete und mir eine Nacht der Mühsal und Glückseligkeit versprach“ (in „Sprich, Erinnerung, sprich“).

Wie setzt Weiß am Zug im zweiten Zug matt?

Eine kleine Lösungshilfe: Denken Sie wie beim geschilderten, ungewöhnlichen Casus auch an einen ungewöhnlichen Schachzug!

Lösung:

Zum Auftakt opfert Weiß seinen Läufer 1. . . . Lh1!, den der schwarze König mit 1. . . . Kxh1 nehmen muss. Doch jetzt setzt Weiß mit der langen Rochade (!) 2. 0–0–0 matt – wahrlich ein seltener Mattzug

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