ArchivRechercheAltersabhängige Behandlungsraten
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Peters und Kollegen berichten in ihrer Studie zur Versorgung inzidenter Brustkrebspatientinnen, dass über 69-jährige Patientinnen signifikant seltener eine brusterhaltende Operation, Chemo- sowie Strahlentherapie erhalten (1). Darüber hinaus wird ein vergleichsweise niedriger Prozentsatz dieser Patientinnen mit Trastuzumab- beziehungsweise Hormontherapie behandelt, obwohl keine altersspezifischen Unterschiede der Verteilung von positivem HER2/neu- und Hormonrezeptorstatus vorliegen. Ihre Arbeit basiert auf Daten zu klinischen Merkmalen, tumorbiologischen Befunden sowie retrospektiv erhobenen Patientenbefragungen zur Brustkrebstherapie aus einem 2-Jahres-Follow-up. Ausgeschlossen wurden Brustkrebspatientinnen ohne adjuvante Therapie, mit neoadjuvanter Therapie bzw. mit Fernmetastasen.

Die PMVforschungsgruppe führt eine Versorgungsforschungsstudie zu inzidenten Brustkrebspatienten in 2010 mit 2-jährigem Follow-up auf Basis deutschlandweiter Sekundärdaten der BARMER-GEK durch (N = 6152; < 50 Jahre: 14 %, 50–69 Jahre: 53 %, > 69 Jahre: 32 %). Unsere Studie bestätigt im Wesentlichen die von Peters und Kollegen berichteten Altersgruppenunterschiede: Über 69-jährige Patientinnen erhalten vergleichsweise seltener eine Chemotherapie (65 % vs. 37 % vs. 14 %), Strahlentherapie (72 % vs. 76 % vs. 51 %) und Therapie HER2/neu-positiver Tumore mit Trastuzumab (16 % vs. 9 % vs. 4 %). In Bezug auf die Hormontherapie konnten keine Altersgruppenunterschiede festgestellt werden (67 % vs. 74 % vs. 67 %). Die Auswertung der behandelnden Arztgruppen zeigt, dass über 69-jährige Patientinnen vergleichsweise seltener von den Facharztgruppen Frauenheilkunde (95 % vs. 91 % vs. 80 %), Hämatologie/Onkologie (27 % vs. 18 % vs. 11 %) und Strahlentherapie (63 % vs. 67 % vs. 48 %) versorgt werden.

Vorteil dieser Sekundärdatenstudie ist, dass keine Verzerrungen durch Erinnerungsbias und Selektionsbias zu erwarten sind. Limitationen sind fehlende Angaben zu klinischen Merkmalen und Therapieadhärenz.

Die hier berichteten Ergebnisse bestätigen im Allgemeinen die von Peters und Kollegen dargestellten Altersgruppenunterschiede, können allerdings ebenfalls keine Erklärung liefern.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0287b

Dr. sc. hum. Rebecca Hein, Dipl. Math. oec.

Dr. rer. soc. Ingrid Schubert

PMV forschungsgruppe an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, Universität zu Köln

Dr. sc. hum. Rebecca Hein

Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie (IMSIE)
Universität zu Köln

Rebecca.Hein@uni-koeln.de

Interessenkonflikt

Dr. sc. hum. Rebecca Hein und Dr. rer. soc. Ingrid Schubert erhielten Gelder für ein von ihnen initiiertes Forschungsvorhaben von Roche.

1.
Peters E, Anzeneder T, Jackisch C, Dimpfl T, Kunz G, Katalinic A, Waldmann A: The treatment of primary breast cancer in older women with adjuvant therapy—a retrospective analysis of data from over 3000 patients from the PATH Biobank, with two-year follow-up. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 577–84 VOLLTEXT
1.Peters E, Anzeneder T, Jackisch C, Dimpfl T, Kunz G, Katalinic A, Waldmann A: The treatment of primary breast cancer in older women with adjuvant therapy—a retrospective analysis of data from over 3000 patients from the PATH Biobank, with two-year follow-up. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 577–84 VOLLTEXT

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