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Die Autorengruppe will mit ihrer retrospektiven Befragung nach Tonsillektomie den gesundheitlichen Nutzen des operativen Eingriffs evaluieren und gelangt nach Zeitabständen von 14 Monaten beziehungsweise 7 Jahren zu der Schlussfolgerung, dass die Tonsillektomie zu einer „stabilen Verbesserung der Lebensqualität, des Gesundheitszustands und einer geringeren Nutzung medizinischer Ressourcen“ geführt habe (1). Aber warum wurden nicht auch Patienten mit gleicher Symptomatik befragt, die nicht operiert wurden? Eine Vergleichsgruppe ist die Grundvoraussetzung für die Beurteilung einer Therapie, insbesondere wenn eine hohe Remissionsrate unter konservativer Behandlung besteht. Selbst Operationsbefürworter berichten in bis zu 27 % der Fälle über eine Rücknahme der Operationsindikation nach einer Wartezeit von 9 Monaten (2).

Eine Cochrane-Metaanalyse zur Tonsillektomie im Vergleich zu einer konservativen Behandlung bei chronisch rekurrierender Tonsillitis wurde nicht zitiert (3). Trotz der Reduktion von Halsschmerzepisoden durch die Tonsillektomie lautet deren Schlussfolgerung (Übersetzung): „Die Effektstärke ist sehr gering […]. Es steht außer Frage, dass sich der Gesundheitszustand einiger Kinder auch ohne chirurgischen Eingriff verbessert, und während die Tonsillektomie sicherlich einer ‚Tonsillitis‘ zuverlässig vorbeugt, ist der Effekt dieser Prozedur auf Halsschmerzen bei Pharyngitis dagegen deutlich weniger klar vorhersehbar” (3). Auch eine randomisierte kontrollierte Studie, die von den Autoren als Bestätigung zitiert wurde, kommt zu keinem günstigeren Resümee (Übersetzung): „Der begrenzte Nutzen einer (Adeno-)Tonsillektomie bei Kindern mit rezidivierenden Halsentzündungen und mäßigen Beschwerden scheint die Risiken, die Morbidität und die Kosten einer Operation nicht zu rechtfertigen” (4). Die Autoren diskutieren weder diese widersprechenden Aussagen, noch relativieren sie die Wertigkeit ihrer Befragung durch die Drop-out-Rate von fast 40 %, die einen starken Bias darstellt.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0431a

Dr. med. Gerd Reuther

Saalfeld

gerd-reuther@gmx.de

1.
Senska G, Atay H, Pütter C, Dost P: Long-term results from tonsillectomy in adults. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 849–55 VOLLTEXT
2.
Woolford TJ, Ahmed A, Willatt DJ, et al.: Spontaneous resolution of tonsillitis in children on the waiting list for tonsillectomy. Clin Otolaryngol Allied Sci. 2000; 25: 428–30 CrossRef MEDLINE
3.
Burton MJ, Glasziou PP: Tonsillectomy or adeno-tonsillectomy versus non-surgical treatment for chronic/recurrent acute tonsillitis. Cochrane Database Syst Rev 2009; (1): CD001802 CrossRef CrossRef
4.
Paradise JL, Bluestone CD, Colborn DK, et al.: Tonsillectomy and adenotonsillectomy for recurrent throat infection in moderately affected children. Pediatrics 2002; 110: 7–15 CrossRef MEDLINE
1.Senska G, Atay H, Pütter C, Dost P: Long-term results from tonsillectomy in adults. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 849–55 VOLLTEXT
2.Woolford TJ, Ahmed A, Willatt DJ, et al.: Spontaneous resolution of tonsillitis in children on the waiting list for tonsillectomy. Clin Otolaryngol Allied Sci. 2000; 25: 428–30 CrossRef MEDLINE
3.Burton MJ, Glasziou PP: Tonsillectomy or adeno-tonsillectomy versus non-surgical treatment for chronic/recurrent acute tonsillitis. Cochrane Database Syst Rev 2009; (1): CD001802 CrossRef CrossRef
4.Paradise JL, Bluestone CD, Colborn DK, et al.: Tonsillectomy and adenotonsillectomy for recurrent throat infection in moderately affected children. Pediatrics 2002; 110: 7–15 CrossRef MEDLINE

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