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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Urtikaria: Omalizumab ist effektiv gegen induzierbare Urtikaria

Dtsch Arztebl 2017; 114(20): A-1004 / B-835 / C-817

Siegmund-Schultze, Nicola

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Chronische Formen der induzierbaren Urtikaria (Nesselsucht) wie die Kälteurtikaria können lebensbedrohlich sein und einen anaphylaktischen Schock auslösen. Bei der Kälteurtikaria ruft Kälte stark juckende Quaddeln auf der Haut hervor, viele Patienten können keine Gegenstände kühler als Raumtemperatur in der Hand halten, ohne Symptome zu entwickeln. Bei der Urticaria factitia, der häufigsten Form der physikalischen Urtikaria mit einer geschätzten Prävalenz von 5 %, sind Scherkräfte auf der Haut durch Reibung Auslöser. Dabei können Reflexerytheme über das Expositionsareal hinausgehen. Die Urticaria factitia verläuft häufig vergleichsweise mild, kann aber die Lebensqualität einschränken. Bei vielen Patienten ist die Schwelle für den physikalischen Reiz niedrig und eine völlige Vermeidung kaum möglich.

Antihistaminika und Leukotrienantagonisten sind medikamentöse Standardtherapien. Für Patienten, die nicht ausreichend auf diese Substanzen ansprechen, werden alternative Behandlungsformen gesucht. Unter Federführung von Dermatologen der Charité Berlin ist der humanisierte monoklonale Anti-IgE-Antikörper Omalizumab in 2 prospektiv randomisierten Phase-2-Studien auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten untersucht worden, die auf Antihistaminika nicht gut angesprochen haben.

61 Patienten mit Urticaria factitia (1) und 31 Patienten mit Kälteurtikaria (2) erhielten alle 4 Wochen über 3 Monate den Antikörper (150 oder 300 mg) oder Placebo. Bei allen Teilnehmern wurde der individuelle Schwellenwert zur Auslösung der Krankheitssymptome mit objektiven Verfahren bestimmt: vor Gabe der Medikation, dann alle 4 Wochen nach Erhalt der ersten 2 Injektionen und 2 Wochen nach der letzten Applikation. Da eine Inter- imanalyse der Studie mit Kälteurtikaria eine deutliche klinische und statistische Überlegenheit des Antikörpers gegenüber Placebo ergab, wurde die Studie vorzeitig beendet.

Im Ergebnis zeigte sich für beide Krankheitsbilder, dass Omalizumab die Symptome deutlich verbesserte. Die Schwelle zur Auslösung der Kälteurtikaria sank von durchschnittlich 21–22 °C vor Beginn der Therapie auf durchschnittlich 8–10 °C nach 10 Wochen in den Verumarmen (primärer Wirksamkeitsendpunkt), aber nur auf
18 °C unter Placebo. Bei der Urtikaria factitia war die durchschnittliche Auslöseschwelle nach 10 Wochen unter beiden Dosierungen im Verumarm im Vergleich zu Placebo ebenfalls signifikant gesunken, die Lebensqualität unter Berücksichtigung dermatologischer Parameter hatte sich signifikant erhöht. Knapp die Hälfte der Patienten mit Kälteurtikaria und Urticaria factitia hatten nach der Behandlung eine komplette Response. Schwere unerwünschte Effekte traten unter Verum nicht häufiger auf als unter Placebo.

Fazit: Der Anti-IgE-Antikörper Omalizumab ist Daten zweier
prospektiver, randomisierter Phase-2-Studien zufolge bei Kälteurtikaria und Urticaria factitia bei Patienten, die refraktär gegenüber Antihistaminika sind, wirksam und sicher.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Maurer M, et al.: Omalizumab is effective
    in symptomatic dermographism – results
    of a randomized placebo-controlled trial.
    J Allerg Clin Immunol 2017; doi: 10.1016/j.jaci.2017.01.042.
  2. Metz M, et al.: Omalizumab is effecitve in cold urticaria – results of a randomized, placebo controlled trial. J Allerg Clin
    Immunol 2017;
    doi: 10.1016/j.jaci.2017.01.043.

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