ArchivRecherchePflegeroboter: Projektionen und Ängste
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In diesen Artikeln, die die postmoderne Technikverliebtheit der Gesellschaft widerspiegeln, vermisse ich die Reflexion der psychischen Dimension bei Einführung von Pflegerobotern: Der Roboter als solcher ist ein Mythos, schon fast ein Archetyp, und sein Erscheinen eröffnet einen Raum von Projektionen und Ängsten. Schon Freud bemerkte zum Gefühl des Unheimlichen sehr zutreffend, dass dieses entsteht, wenn man sich bei einem Objekt nicht sicher sein kann, ob dieses belebt oder unbelebt sei. Nicht umsonst wurde der Roboter im Trivialfilm während der Zeit des Kalten Krieges als Bild für die Figur des Außerirdischen verwendet, der zu dieser Zeit ein aggressiver und bedrohlicher Invasor war, in gesichtsloser Masse auftrat und Assoziationen an den – durch kommunistische Lehren gleichgeschalteten und entindividualisierten russischen Arbeitssklaven erinnerte – wie man das damals eben so sah und fürchtete.

Neben diesem kollektiven Schreckensbild existiert aber auch eine klinische Lesart: Patienten träumen auch von Robotern. Der Hintergrund ist oft in der Biografie zu finden in Form einer depressiven oder psychotischen Mutter, die ihr Kind mechanisch versorgt aber kein emotionales Band zu ihm herstellen kann bzw. wenn das Kind dieses Band von sich aus zerreißt, um nicht in eine verwirrende und bedrohliche Gefühlswelt mit hineingezogen zu werden. Ein Pflegeroboter.

Im Film wird dieses Problem gelöst, indem die meisten Roboter zum Leben erwachen, Gefühle entwickeln, mit ihrem Schöpfer oder Besitzer diskutieren, Witzchen reißen oder sich in ihn verlieben – meines Erachtens das Bild einer Abwehr gegen eine gefühllose Maschine, wobei deren Zum-Leben-Erwachen auch bedrohliche Züge annimmt, wenn sie sich rächend gegen ihren Erschaffer wendet und dann natürlich übernatürliche Kräfte entwickelt. Hier verspüren wir eine starke Ambivalenzspannung: Wird eine zum Leben erwachende Mutter liebevoll oder gefährlich sein, können wir uns ihr Erwachen wirklich wünschen?

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Aus diesem Grund denke ich, dass bei psychisch instabilen oder verwirrten Pflegebedürftigen Ängste und Verweigerung gegen einen dergestalten Pfleger entste-hen dürften, insbesondere wenn dieser menschliche Proportionen annimmt. R2D2 wäre besser, aber der wird wohl nicht bis zur Herdplatte hinaufreichen können.

Dipl.-Psych. Ursula Mayr, 83236 Übersee

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