ArchivRechercheVertiefende Analysen wünschenswert
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Melchior et al. präsentieren in ihrer Arbeit Prävalenzschätzungen des Gestationsdiabetes aller gesetzlich versicherten Schwangeren im Zeitraum 2014–2015 mit einer Gesamtprävalenz von 13,2 % (1). Die Autorinnen kontrastieren ihre Ergebnisse mit unserer Erhebung von inzidenten Gestationsdiabetesfällen bei der AOK Berlin versicherten Schwangeren im Zeitraum 2005–2007 mit einer Gesamtinzidenz von 16 % (2).

Die Autorinnen führen die Unterschiede auf eine strengere Definition der Grundgesamtheit in unserer Studie zurück. Wir haben tatsächlich deutlich strengere Ausschlusskriterien angewendet. Ausgeschlossen wurden unter anderem Mehrlingsgeburten, nicht-eindeutige Diabetesdiagnosen und Mehrfachabrechnungen. Ziel unserer Studie war nicht die Ermittlung einer bevölkerungsbezogenen Prävalenz, sondern eine vergleichende Analyse der Gestationsdiabetesinzidenz zwischen türkeistämmigen und deutschen Frauen. Dafür wurde ein Datensatz für den Zeitraum von 2005 bis 2007 mit ganzjährig bei der AOK Berlin versicherten Schwangeren genutzt, aus dem wir unter Anwendung eines Namensalgorithmus (3) alle türkeistämmigen Frauen identifiziert und als Vergleichsgruppe deutsche Frauen zufällig ausgewählt haben. Ein Grund für die höhere Inzidenz in unserer Studie kann daher in der selektiven Zusammensetzung der Studienpopulation liegen. Wir konnten zeigen, dass türkische Herkunft ein unabhängiger Risikofaktor für Gestationsdiabetes ist, wobei insbesondere junge, türkeistämmige Frauen mit Adipositas betroffen waren (2). Eine Abschätzung der Gestationsdiabeteshäufigkeit in der Gesamtbevölkerung ist aber nur sehr eingeschränkt möglich.

Melchior et al. verwenden dagegen bundesweite Abrechnungsdaten und können so wichtige repräsentative Aussagen über die Häufigkeit von Gestationsdiabetes in Deutschland liefern. Für die Zukunft wären vertiefende Analysen im Hinblick auf Risikounterschiede bei Gestationsdiabetes und späteren Geburtsergebnissen aufgrund sozialer Determinanten, zum Beispiel Migrationshintergrund, wünschenswert, um daraus mögliche Risikogruppen und Defizite in der Schwangerenvorsorge identifizieren zu können.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0689c

Dr. PH Anna Reeske

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Dortmund

Anna_Reeske@web.de

Prof. Dr. PH Jacob Spallek

Institut für Gesundheit, FG Gesundheitswissenschaften,
Brandenburgische TU Cottbus-Senftenberg, Senftenberg

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Melchior H, Kurch-Bek D, Mund M: The prevalence of gestational diabetes—a population-based analysis of a nationwide screening program. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 412–8 VOLLTEXT
2.
Reeske A, Zeeb H, Razum O, Spallek J: Differences in the Incidence of gestational diabetes between women of Turkish and German origin: An Analysis of Health Insurance Data From a Statutory Health Insurance in Berlin, Germany (AOK), 2005–2007. Geburtshilfe Frauenheilkd 2012; 72: 305–10 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Razum O, Zeeb H, Akgün S: How useful is a name-based algorithm in health research among Turkish migrants in Germany? Trop Med Int Health 2001; 6: 654–61 CrossRef MEDLINE
1.Melchior H, Kurch-Bek D, Mund M: The prevalence of gestational diabetes—a population-based analysis of a nationwide screening program. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 412–8 VOLLTEXT
2.Reeske A, Zeeb H, Razum O, Spallek J: Differences in the Incidence of gestational diabetes between women of Turkish and German origin: An Analysis of Health Insurance Data From a Statutory Health Insurance in Berlin, Germany (AOK), 2005–2007. Geburtshilfe Frauenheilkd 2012; 72: 305–10 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Razum O, Zeeb H, Akgün S: How useful is a name-based algorithm in health research among Turkish migrants in Germany? Trop Med Int Health 2001; 6: 654–61 CrossRef MEDLINE

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