ArchivRechercheProstatakrebs: Individuell beraten
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Am xx.xx.19xx werden zwei Brüder geboren, eineiige Zwillinge. Bedauerlicherweise werden sie während der Geburt getrennt, sie sehen sich nie wieder, erfahren nicht einmal von der Existenz des anderen.

Der eine wächst in einem behüteten Elternhaus auf, lernt eine liebevolle Frau kennen, die ihn umsorgt und pflegt und zu regelmäßigen Arztbesuchen drängt. Im Alter von 55 Jahren wird ein auffälliger PSA-Wert gefunden, bei der folgenden urologischen Untersuchung wird ein Prostata-Carcinom diagnostiziert und erfolgreich reseziert. Ob er darunter impotent und inkontinent wird, soll dabei vernachlässigt werden. Er nimmt jedoch nach Diagnosestellung an einer Studie teil, die Sinn und Zweck des PSA-Screenings erforschen soll. Bei der Nachuntersuchung fünf Jahre später, lebt er genauso wie alle anderen Mitglieder seiner Studiengruppe, das Fünf-Jahres-Überleben beträgt 100 %. Leider verstirbt er trotzdem an einem Rezidiv seines Prostata-Carcinoms im Alter von 70 Jahren.

Sein ihm unbekannter Bruder frönt derweil der Promiskuität und verwahrlost zusehends. Im Alter von 66 Jahren landet er wieder einmal in einer Notaufnahme und der Ambulanzarzt lässt u. a. auch das PSA bestimmen. Der Wert ist exorbitant erhöht und wie zu erwarten, findet der Urologe ein metastasiertes Prostata-Carcinom. Der Patient erhält eine palliative Therapie und verstirbt an exakt demselben Tage wie sein Zwillingsbruder. Wäre er bei Diagnosestellung in eine Studie eingeschlossen worden, hätten er und seine Gruppengenossen ein Fünf-Jahres-Überleben von 0 % aufgewiesen.

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Fazit: Cave, verlängertes Fünf-Jahres-Überleben nach Diagnosestellung heißt noch lange nicht, dass der Patient länger lebt. Dies ist weder ein Statement für noch gegen das PSA-Screening, sondern ein Statement für eine individuelle Patientenberatung, denn dass die Behandlung eines über einen PSA-Wert entdeckten Frühcarcinoms lebensrettend sein kann, ist unstrittig.

Dipl.-Chem. Marcus Herud, 51375 Leverkusen

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