ArchivRechercheOsteosynthetische Versorgung unter CT-Kontrolle
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Es ist dankenswert, dass die Autoren mit den Beckenringfrakturen alter Menschen eine Problematik aufgreifen, die immer noch unterschätzt wird, obwohl die damit verbundene Immobilität zu erheblicher Mortalität und Morbidität führt. Korrekt wird auf die Notwendigkeit einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie für die Diagnose hingewiesen (1). Allerdings versäumen sie es, den Stellenwert der CT für die osteosynthetische Versorgung aufzuzeigen. Dies führt zu der Fehleinschätzung, dass eine konservative Behandlung Mittel der Wahl sei – trotz der hervorgehobenen Notwendigkeit einer raschen Mobilisation bei Frakturen des hinteren Beckenrings. Will man die Patienten zeitnah mobilisieren, sollte man nicht erst 1–2 Wochen warten und alte Menschen mit stark wirksamen Analgetika belasten. Vor 27 Jahren wurde erstmals eine iliosakrale Schraubenosteosynthese unter CT-Kontrolle beschrieben (2). Im Jahr 2014 habe ich die bisher größte Serie sakraler Osteosynthesen publiziert, in der ganz überwiegend alte Menschen ohne Bewusstseinsverlust ohne relevante Komplikationen im CT-Raum minimalinvasiv versorgt wurden (3). Eine Operation in tiefer Sedierung und Vollnarkose mit dem hohen Risiko einer postoperativen kognitiven Dysfunktion ist nicht mehr notwendig. Man muss sich nicht zwischen Skylla (Operationssaal) und Charybdis (potenziell letale Komplikationen durch Zuwarten) entscheiden.

Unverständlich ist auch, dass die Autoren in einem CME-Artikel, der eigentlich den State of the Art widerspiegeln sollte, die Verwendung von Knochenzement als therapeutische Option ins Spiel bringen. Es gibt keine validen Studien, die den Nutzen von Zement für die Heilung belegen. Wo Zement ist, kann kein Durchbau mehr stattfinden, und Schrauben lockern sich bekanntermaßen trotz Zement-„Augmentierung“ aus (4). Eine unmittelbare Schmerzreduktion resultiert ohne Komplikationsrisiko bereits aus der Schraubenfixierung.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0284a

PD Dr. med. Gerd Reuther

Facharzt für Radiologie, Saalfeld/Saale

1.
Oberkircher L, Ruchholtz S, Rommens PM, Hofmann A, Bücking B, Krüger A: Osteoporotic pelvic fractures. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 70–80 VOLLTEXT
2.
Nelson DW, Duwelius PJ: CT-guided fixation of sacral fractures and sacroiliac joint disruptions. Radiology 1991; 180: 527–32 CrossRef MEDLINE
3.
Reuther G, Röhner U, Will T, et al.: CT-guided screw fixation of vertical sacral fractures in local anaesthesia using a standard CT. Rofo 2014; 186: 1134–9 CrossRef MEDLINE
4.
Höch A, Schimpf R, Hammer N, et al.: Biomechanical analysis of stiffness and fracture displacement after using PMMA-augmented sacroiliac screw fixation for sacrum fractures. Biomed Tech (Berl) 2017; 62: 421–8 CrossRef MEDLINE
1.Oberkircher L, Ruchholtz S, Rommens PM, Hofmann A, Bücking B, Krüger A: Osteoporotic pelvic fractures. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 70–80 VOLLTEXT
2.Nelson DW, Duwelius PJ: CT-guided fixation of sacral fractures and sacroiliac joint disruptions. Radiology 1991; 180: 527–32 CrossRef MEDLINE
3.Reuther G, Röhner U, Will T, et al.: CT-guided screw fixation of vertical sacral fractures in local anaesthesia using a standard CT. Rofo 2014; 186: 1134–9 CrossRef MEDLINE
4.Höch A, Schimpf R, Hammer N, et al.: Biomechanical analysis of stiffness and fracture displacement after using PMMA-augmented sacroiliac screw fixation for sacrum fractures. Biomed Tech (Berl) 2017; 62: 421–8 CrossRef MEDLINE

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