ArchivRechercheAnästhesievorbereitung: Verwirrungen vermeiden
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Mit Interesse haben wir die Darstellung der Kollegen Schreiner und Kehl zur Anästhesievorbereitung und besonders der präoperativen Pharmakotherapie im Deutschen Ärzteblatt gelesen (Anästhesievorbereitung: Welche Medikamente vor einer Narkose abgesetzt werden sollten). Diese Thematik ist für Anästhesiologen und andere Fachdisziplinen von hoher Bedeutung, da die perioperative Medikation den Krankheitsverlauf unserer Patienten erheblich beeinflussen kann.

Bedauerlicherweise entsprechen die im Artikel aufgeführten Beschreibungen zu den einzelnen Medikamenten bezüglich deren Fortführung oder Pausierungen im perioperativen Kontext in wesentlichen Teilen nicht den konsentierten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), die diese unter enger Abstimmung und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in einem aufwendigen Verfahren in der Publikation „Präoperative Evaluation erwachsener Patienten vor elektiven, nicht herz-thoraxchirurgischen Eingriffen. Gemeinsame Empfehlung der DGAI, DGCH und DGIM“ erarbeitet hat und somit den allgemeinen Standard setzt.

Es ist zu befürchten, dass durch Befolgung der im Artikel zu wenig differenzierten und individualisierten Therapiepausen bei vielen der benannten Medikamente nach heutigem Wissensstand für den einzelnen Patienten mehr Risiken als Chancen zur Vermeidung von Nebenwirkungen entstehen würden. Die in der Tabellenform des Artikels aufgeführten Fortführungen oder Pausierungen von anderen Medikamenten oder Medikamentenklassen entsprechen in Teilen ebenfalls nicht den Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften. Deshalb erscheint uns eine Leserbrief-Kommentierung des Artikels und der wichtige Hinweis auf die auf S1-Leitlinienniveau konsentierte und publizierte Empfehlung der DGAI, DGCH und DGIM als notwendig. Diese stellt derzeit die allgemein anerkannte Richtschnur der präoperativen Diagnostik und Therapie dar. Damit dient sie zeitgleich der verbindlichen Gewährleistung der Patientensicherheit im Rahmen der Vorbereitung von elektiven Eingriffen bei Erwachsenen und hilft eventuelle Verwirrungen oder Verunsicherungen in diesen wichtigen Fragestellungen zu reduzieren.

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Univ.-Prof. Dr. med. Hartmut Bürkle, 79106 Freiburg,
Prof. Dr. med. Götz Geldner, 71640 Ludwigsburg,
Univ.-Prof. Dr. med. Thea Koch, 01307 Dresden,
Univ.-Prof. Dr. med. Rolf Rossaint, 52074 Aachen,
Univ.-Prof. Dr. med. Frank Wappler, 51109 Köln,
Univ.-Prof. Dr. med. Bernd Zwissler, 81377 München

Literatur bei den Verfassern

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