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Radiologie: Vernetzung und Digitalisierung stehen im Fokus

Dtsch Arztebl 2019; 116(47): A-2200

Bauer, Mirjam; Reiter, Michael

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Interventionelle Labore sind verstärkt multidisziplinär ausgerichtet. Die Hersteller von Angiografie-Systemen versuchen daher, die komplexen Arbeitsabläufe zu automatisieren und die endovaskulären Prozeduren zu standardisieren.

Der Einsatz bildgeführter minimalinvasiver Therapien wächst mit einer Rate von jährlich circa 11 %. Mit zunehmender Komplexität von Angiografie-Systemen gewinnen Automatisierung und Standardisierung an Bedeutung – für den Untersucher und die Patienten. Über eine solche „procedural intelligence“ verfügt die biplanare Angiografie-Anlage Artis icono, die Siemens Healthineers auf dem Europäischen Radiologiekongress (ERC) in Wien vorgestellt hat. Das System, das sich multidisziplinär einsetzen lässt, verfügt über eine komplett neu entwickelte 2-D- und 3-D-Bildgebung. Dadurch bleibt die Bildqualität über ein weites Spektrum an Einstellwinkeln und Patientengewicht konstant auf einer hohen Qualität – bei reduzierter Dosis. Insbesondere in der 3-D-Bildgebung lassen sich mit dem neuen System die Bereiche der Schädelbasis und Schädeldecke nahezu ohne Artefakte darstellen.

Beschleunigte Arbeitsabläufe

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Der Ansatz „Twin Spin“ ermöglicht ein nahtloses Wechseln zwischen 2-D- und 3-D-Bildgebung, ohne die Lateralebene in die Parkposition fahren zu müssen – was langwierige Prozeduren deutlich erleichtert. Um Arbeitsabläufe zu beschleunigen, enthält Artis icono „Case Flows“. Diese personalisierten, standardisierten Workflows basieren auf automatisch voreingestellten, aber auch anwenderspezifisch einstellbaren Parametern für eine Vielzahl von Interventionsarten. Per Knopfdruck erlauben sie die Anpassung an die Anforderungen des jeweiligen Falles und die Präferenzen des Bedieners. Mithilfe des „Lateral Plane Switch“ lässt sich ferner in wenigen Sekunden die Lateralebene von der radiologischen zu einer kardiologischen Konfiguration und umgekehrt verändern.

Dank einer verbesserten Darstellung von Blutungen im gesamten Schädel lässt sich bei Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall eine vorgelagerte, konventionelle Bildgebung überspringen. „Der direkte Transport zur Diagnose und Behandlung ins Angiolabor verkürzt die Zeit bis zur Entfernung des Gefäßverschlusses“, erklärte Michael Scheuering, Leiter Interventional Radiology bei Siemens Healthineers in Wien. Mehrere Studien zeigen ferner eine Ausweitungsmöglichkeit der Behandlungsform Thrombektomie auf eine größere Patientengruppe. So können Neurointerventionalisten Patienten mit ischämischem Schlaganfall behandeln, für die diese effektive Behandlungsmethode bisher nicht zugänglich war.

Blutungen in der Schädeldecke und der Schädelbasis lassen sich besser erkennen, weil die Software „Syngo DynaCT Sine Spin“ die Artefakte in der 3-D-Bildgebung reduziert. „Syngo DynaCT Multiphase“ hilft dabei, Hirnregionen mit reduzierter Durchblutung sowie verzögertem Kontrastmittelfluss zu identifizieren. Diese dynamische Perfusionsbildgebung bewertet den Status der Kollateralgefäße über 8 verschiedene Zeitpunkte innerhalb eines Zeitraums von 50 Sekunden. Danach entscheidet sich der Arzt für den geeigneten Behandlungsweg. Für die quantitative Auswertung dieser mehrphasischen Volumendatensätze arbeitet Siemens Healthineers mit dem Partner iSchemaView zusammen. Dessen Softwarefamilie Rapid ermöglicht die Berechnung quantitativer zerebraler Perfusionsparameter für die Schlaganfall-Bildgebung. Von diesem Anbieter für die automatisierte Analyse in der zerebrovaskulären Bildgebung kommt die einzige von der FDA zugelassene Plattform für die Patientenselektion zur Thromb-
ektomie.

Weniger Bewegungsartefakte

„Syngo DynaCT High Speed“ reduziert die Zeiten für Niedrigkontrast-3-D-Aufnahmen von 20 Sekunden auf 8 Sekunden. So entstehen CT-ähnliche Bilder mit wesentlich geringerer Anfälligkeit für Bewegungsartefakte.

Interventionelle Labore seien verstärkt multidisziplinär ausgerichtet und Vernetzung und Digitalisierung gewännen an Bedeutung, hieß es auf dem ERC in Wien. Was trägt Artis icono hierzu bei? Die Systemfamilie öffne sich, so die Auskunft bei Siemens: Mit dem „Third-Party Broker“ ist eine einheitliche Schnittstelle im Angebot, über die sich Systemparameter mit Geräten von anderen Herstellern einfach austauschen lassen. Artis icono biplane ist in Deutschland bereits bestellbar und soll ab Frühjahr 2020 lieferbar sein.

Mirjam Bauer, Michael Reiter

Quelle: Pressekonferenz auf dem Europäischen Radiologiekongress (ERC), Wien, 28. Februar 2019; Veranstalter: Siemens Healthineers

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