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Randnotiz: Männlicher Übermut

Dtsch Arztebl 2020; 117(4): A-119 / B-107 / C-103

Gießelmann, Kathrin

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„Neuartig“, „einzigartig“ oder „beispiellos“ - mit diesen schillernden Adjektiven umschreiben vor allem männliche Wissenschaftler ihre Forschung. Weniger verbreitet ist der Hang zur Übertreibung bei Forscherinnen. Zu diesem Ergebnis kam ein Team der Universität Mannheim in einer Beobachtungsstudie im BMJ, in der sie Titel und Abstracts von mehr als 100 000 Artikeln aus der klinischen Forschung und 6 Millionen allgemeinen Life-science-Artikeln analysiert hatten. Waren sowohl Erst- als auch Letztautorenschaft weiblich besetzt, schmückte mindestens einer von 25 positiven Begriffen 10,9 Prozent der Titel oder Abstracts. Bei männlicher Beteiligung erhöhte sich dieser Wert auf 12,2 Prozent. Signifikant waren die Unterschiede aber nur, wenn es sich um Fachjournals mit einem hohen Impactfaktor größer 10 handelte. Die Folge: Forschungsergebnisse von Männern werden häufiger zitiert als die von Frauen, was sich bekanntermaßen auch auf die Karriere auswirkt. Die Ursache: Frauen werden im Peer Review vermutlich an höheren akademischen Standards gemessen. Forscherinnen sollten ihre eher neutralen Formulierungen nun aber auf keinen Fall dem männlichen Habitus anpassen – das wäre der falsche Ansatz. Stattdessen sollten sich Verleger von Fachzeitschriften – vor allem jene mit hohem Impactfaktor – an die eigene Nase fassen und für Gleichberechtigung sorgen. Im Hinblick darauf, dass bald die meisten Ärzte in den USA, Großbritannien und Europa Frauen sein werden, macht Elizabeth Loder, Head of Research beim BMJ, einen absolut nachvollziehbaren Vorschlag: Sie plädiert dafür, weibliche Pronomen als Standard einzuführen: Also Ärztinnen statt Ärzte.

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