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MEDIZIN: Kurzberichte

Magnetresonanztomographie bei Patienten mit künstlicher Herzklappe

Oelert, Hellmut; Thelen, Manfred

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LNSLNS Als nichtinvasives Untersuchungsverfahren findet die Magnetresonanztomographie (MRT) in der medizinischen Diagnostik zunehmend Anwendung. Während dieser Untersuchung sind die Patienten verschiedenen magnetischen und elektromagnetischen Feldern ausgesetzt:
c einem starken statischen Magnetfeld zur Erzeugung der Kernpolarisation,
c schwächeren, sich schnell ändernden Gradientenfeldern für die Lokalisierung und Ortskodierung und
c dem Hochfrequenzfeld zur Änderung des Energiezustandes der Protonen.
Für die metallische Komponente eines Implantats wurden theoretisch mögliche biologische und mechanische Effekte durch diese Felder in Form von Induktion eines elektrischen Stroms und Erwärmung beschrieben (4). Seitdem galten die magnetischen und elektromagnetischen Felder der MRT für Patienten mit künstlichen Herzklappen und ihren beweglichen Verschlusskörpern als potenzielle Gefahrenquellen.
Zwangsläufig waren daraufhin nicht nur viele Patienten mit künstlicher Herzklappe, sondern auch der sie weiterbehandelnde Arzt oft verunsichert und daran interessiert zu erfahren, inwieweit die MRT-Untersuchung bei später auftretenden Erkrankungen, wie zum Beispiel einem Tumorleiden, klappenbezogene Komplikationen auslösen kann. Ergebnisse aus früheren Jahren, wonach die MRT bei Trägern künstlicher Herzklappen gefahrlos möglich ist, liegen zwar bereits vor (1, 2), häufige Rückfragen lassen jedoch erkennen, dass fortwährende Unsicherheit besteht, ob MRT-Untersuchungen mit den modernen Geräten möglicherweise nicht doch Sitz und Funktion der Kunstherzklappe beeinflussen und dadurch auch hämodynamische Störungen nach sich ziehen können.
Kein Risiko für Träger künstlicher Herzklappen
An 17 der gebräuchlichsten Herzklappenprothesen (Tabelle) wurden deshalb In-vitro-Untersuchungen zur Beurteilung einer möglichen Anziehung und/oder Erhitzung während einer MRT bei 1,5 Tesla durchgeführt (3). Dabei konnte weder eine messbare Ablenkung (Anziehung) noch eine Temperaturerhöhung im umgebenden Medium von mehr als 0,5°C gefunden werden. Als Nebeneffekt zeigte sich lediglich die Bildqualität durch Metallartefakte unterschiedlich beeinflusst, und zwar bei den Bioprothesen weniger stark als bei den mechanischen Substituten. In Bezug auf die Untersuchungstechnik waren Bildartefakte durch den Metalleinschluss in einer künstlichen Herzklappe bei Anwendung einer Gradienten-Echosequenz deutlicher als bei Einsatz der Turbo-Spin-Echosequenz. Sie erlaubten aber in beiden Fällen weiterhin die Darstellung und Interpretation der benachbarten Gewebestrukturen des Herzens.
Die Untersuchungen erfolgten in Ruhe, ohne einen zusätzlichen kühlenden Blutfluss, sodass eine Dislokation oder Beeinträchtigung des Flügelspiels einer Kunstherzklappe durch Überwärmung in vivo unwahrscheinlich ist; ebenso eine Dislokation im statischen Magnetfeld. Bei der Rotation der Herzklappe um eine Achse, die senkrecht zum statischen Magnetfeld ausgerichtet ist, wurde eine leichte hemmende Krafteinwirkung beobachtet. Diese scheint aber wesentlich geringer zu sein, als die mechanischen Wirkungen der Herzbewegung oder des strömenden Blutes, sodass sich Patienten mit den von uns untersuchten Herzklappen gefahrlos jeglicher standardisierter MRT-Diagnostik bei Feldstärken bis 1,5 Tesla unterziehen können.

Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2000; 97: A-1146–1147
[Heft 17]

Literatur
1. Bachmann R, Deutsch JH, Jüngehülsing M, Sechtem U, Hilger HH, Schicha H: Magnetresonanztomographie bei Patienten mit Herzklappenersatz. RöFo 1991; 155: 499–505.
2. Di Cesaro E, Enrici RM, Paparoni S, Castaldo F, Alagia MG, Spendiani A, Bottone A, Lupatelli L: Low-field magnetic resonance imaging in the evaluation of mechanical and biological heart valve function. EJR 1995; 20: 224–228.
3. Kalden P, Prüfer D, Schreiber W, Kreitner K-F, Oelert H, Thelen M: In-vitro-Untersuchung von biologischen und technischen Herzklappenprothesen im MRT: Beurteilung möglicher Anziehung und Erhitzung der Implantate. Fortschr Röntgenstr 2000; 172: 184–188
4. Kanal E, Shellock FG, Talagala L: Safety considerations in MR imaging. Radiology 1990; 176: 593–606.

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Hellmut Oelert
Klinik und Poliklinik für Herz-,
Thorax- und Gefäßchirurgie
Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
E-Mail: oelert@mail.uni-mainz.de


Tabelle
Auflistung der im MRT untersuchten Herzklappen*
Herzklappenprothese Position Bauart

Baxter MIRA 21 AF aortal technisch
Baxter MIRA 27 M mitral technisch
Björk-Shiley Monostrut mitral technisch
On-X 19 mm aortal technisch
On-X 13 mm aortal technisch
On-X 25 mm mitral technisch
SJM 23 A101 aortal technisch
SJM 25 MEC mitral technisch
SJM 27 MS601 (Silzone) mitral technisch
Omniscience aortal technisch
Sorin Bicarbon mitral technisch
Ultracor mitral technisch
Baxter CE SAV 33 mm mitral biologisch
Baxter CE 23 mm Perimount aortal biologisch
Baxter CE SAV 31 mm aortal biologisch
Mitroflow aortal biologisch
SJM Mitral 28 mm (Bioimplant) mitral biologisch
* Darunter befinden sich zwölf technische und fünf biologische Modelle der gebräuchlichsten Substitute für den Aorten- und Mitralklappenersatz. Neben der Industrie-Bezeichnung sind die jeweils vorgesehene Position und Bauart der Klappenprothese angegeben.

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