ArchivRechercheEthik: Zweifelhafte Gewichtungen hinterfragen

BRIEFE

Ethik: Zweifelhafte Gewichtungen hinterfragen

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): A-846 / B-702 / C-656

Starz, Isabel; Starz, Christoph

Zu dem Beitrag „Konfrontation mit einem realen Fall“ von Sebastian Lindau und Priv.-Doz. Dr. med. Fred Salomon in Heft 6/2002:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Diskussion ethischer Fragen, hier am Beispiel eines frühgeborenen Mädchens mit Infektion und Hirnblutung geführt, ist grundsätzlich zu begrüßen. Ohne gleich das ehrliche Engagement der Kinderärzte in Zweifel ziehen zu wollen, impliziert freilich schon die bloße Erwägung, eine Weiterbehandlung abzubrechen (das Kind sterben zu lassen), die irrige Auffassung, ein Leben mit Behinderung sei nicht lebenswert, müsse verhindert werden. Dem ist entschieden zu widersprechen. Die unermessliche Freude, die wir als Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom (erfolgreich reanimiert) erleben dürfen, schärft unser Bewusstsein dafür, dass Leben per se, unabhängig vom Grad seiner Behinderung, wertvoll und sinnvoll ist. Wer Behinderung mit Leiden gleichsetzt, übersieht bewusst oder unbewusst viel echte Lebensfreude, viel Charakterstärke auch in der Art und Weise, wie „Betroffene“ mit Handicaps umzugehen, sie ins eigenen Leben zu integrieren wissen. Es täte uns allen gut, gerade davon zu lernen. In Zeiten galoppierender Pränatalselektion wäre besonders auch die Ärzteschaft gut beraten, zweifelhafte Gewichtungen, nach den Gesetzen der Leistungsgesellschaft vorgenommen, zu hinterfragen. Ihre Sache kann und darf nicht die einseitige Idealisierung körperlicher oder intellektueller Perfektion sein.
Dres. med. Isabel und Christoph Starz, Valentin-Becker-Straße 2, 97769 Bad Brückenau
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige