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Pilzinfektionen: Invasive Mykosen nehmen zu

Dtsch Arztebl 2002; 99(27): A-1916 / B-1648 / C-1508

Klinkhammer, Ferdinand

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Haupterreger der generalisierten Mykosen bei immungeschwächten Patienten nach einer Transplantation, im Anschluss an eine Chemotherapie und bei einer HIV-Infektion sind Candida Spezies. Im Bereich der Hämatologie und Onkologie hat sich das Erregerspektrum innerhalb der Candida ssp. stark verändert. Dadurch werde die Diagnostik beträchtlich erschwert, wie Dr. Gerald Meckenstock (Düsseldorf) bei einem Symposium der Firma MSD in Düsseldorf berichtete.
Die Mortalität der Candida- und Aspergillusmykosen liegt bei 60 bis 90 Prozent. In der Therapie wird überwiegend das bewährte, aber nebenwirkungsreiche Amphotericin B eingesetzt; neuerdings auch Echinocandin (Caspofungin®). Dr. Matthias Wettstein (Düsseldorf) berichtete, dass Soor bei HIV-Patienten weit verbreitet ist. Mundsoor kommt bei 90 Prozent der Patienten vor, Oesophagussoor bei zehn bis 20 Prozent, und auch der Vaginalsoor wird häufig diagnostiziert. Die Therapie erfolgt mit Schleimhautantimykotika; anschließend ist eine Prophylaxe angezeigt. Die gleichfalls bei HIV-Patienten vorkommenden pilzbedingten Meningitiden und Pneumonien werden mit Amphotericin B oder Fluconazol behandelt.
In der Transplantationsmedizin überwiegen Infektionen mit Candida albicans. Die selteneren Infektionen mit Aspergillus ssp. im Gefolge von Herz- beziehungsweise Lungen­trans­plan­ta­tionen haben nach Prof. Peter Kujath (Lübeck) eine sehr hohe Letalität (80 Prozent).
Wie Dr. Ansgar Röhrborn (Düsseldorf) erläuterte, wurden bei 795 Laparoskopien nur acht Prozent Candida-Mykosen gefunden. Er vertrat die Ansicht, dass bei Hohlorganperforationen keine Candida-Therapie indiziert ist.
Aus der Sicht des Mykologen gab Prof. Herbert Hof (Mannheim) einen Überblick über die Differenzierungsmethoden der Mykose-Erreger. Eine Differenzierung nach der Virulenz ist nicht möglich, und auch die Serologie ist sehr schwierig, weil es keine definierten Antigene gibt.
In der Diagnostik der invasiven Pilzinfektionen kommt den bildgebenden Verfahren eine zunehmende Bedeutung zu. Dr. Mathias Cohnen (Düsseldorf) erwähnte die gesicherte Diagnose von Infiltraten durch Computertomographie, die sehr früh an einer Milchglastrübung erkennbar ist.
Über die künftigen Strategien bei Prävention und Therapie der invasiven Pilzerkrankungen, die stark zunehmen, berichtete Prof. John H. Rex (Houston). Es werden neue Azole (Voriconazol und Posaconazol), neue Versionen bekannter Antimykotika (liposomales Amphotericin), neue Therapeutika aus der Klasse der Echinocandine (Caspofungin, Micafungin und Anidulafungin) zur Therapie eingesetzt, dabei sind Echinocandinen bei Candida-Mykosen und Aspergillosen besonders wirksam. Dr. Ferdinand Klinkhammer
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