ArchivRechercheHumanes Metapneumovirus in Deutschland nachgewiesen

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Humanes Metapneumovirus in Deutschland nachgewiesen

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2089 / B-1739 / C-1643

Puppe, Wolfram; Weigl, Josef; Berner, Reinhard; Forster, Johannes; Neumann-Haefelin, Dieter; Meyer, Claudius; Zepp, Fred; Schmitt, Heinz-Josef

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LNSLNS Erstmals wurde im Rahmen einer prospektiven Studie in Deutschland das humane Metapneumovirus (HMPV) nachgewiesen. Der erste Fall wurde in Mainz am 6. Februar 2003 mithilfe der PCR entdeckt. Danach fanden sich prospektiv 41 weitere Fälle in Freiburg, Kiel und Mainz.
Die jeweiligen Amplifikate wurden durch Sequenzierung als HMPV bestätigt. Den Mitarbeitern des vom BMBF geförderten Forschungsnetzwerkes „Atemwegsinfektionen bei Kindern“ (www.pid-ari.net) gelang der Nachweis durch die systematische Surveillance von Nasensekret bei Kindern, die wegen einer akuten respiratorischen Infektion (ARI) hospitalisiert wurden. Die HMPV-infizierten Kinder hatten ein breites, unspezifisches Spektrum an klinischen Symptomen, die die oberen oder unteren Atemwege betrafen. Grundlage des Nachweises war eine neu entwickelte Multiplex-RT-PCR, (m-RT-PCR) mit der 16 nichtkolonisierende ARI-Erreger, darunter auch das HMPV, gleichzeitig detektiert werden können. Die neue m-RT-PCR-Methode erlaubt es, im Rahmen des PID-ARI.Net die erregerspezifische ARI-Diagnose zu stellen, die jeweilige Epidemiologie der Mikroorganismen zu beschreiben und dabei auch neue Erreger wie HMPV zu erfassen (1). Die HMPV-Primersequnzen wurden von der Arbeitsgruppe um A. Osterhaus, Rotterdam (Niederlande) zur Verfügung gestellt.
Systematik
Das HMPV gehört zur Familie der Paramyxoviren, Unterfamilie Pneumovirinae, und wurde 2001 erstmals in den Niederlanden beschrieben (2). Es ist eng mit den Pneumoviren der Vögel (APV) verwandt. Auch bei einigen SARS-Patienten konnte HMPV kürzlich nachgewiesen werden – vermutlich jedoch als Zufallsbefund. HMPV lässt sich in Zellkultur nur schwer anzüchten, daher ist die PCR das Mittel der Wahl zum Erregernachweis. Die bisher zu HMPV vorliegenden Daten aus anderen Ländern lassen vermuten, dass alle Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren mindestens einmal mit HMPV infiziert werden. Die klinischen Symptome ähneln denjenigen einer Infektion mit dem „respiratory syncytial virus“ (RSV). Soweit heute bekannt, wird HMPV bei 2 bis 9 Prozent aller Patienten mit ansonsten negativen Erregertests aus Nasopharyngealsekret gefunden (3).
Die Bedeutung von HMPV für Kinder in Deutschland, Saisonalität, populationsbezogene Inzidenz, klinischer Verlauf und Risikofaktoren für eine schwere Infektion sind Gegenstand weiterer Untersuchungen der im Verbund PID-ARI.Net zusammengeschlossenen Forscher.

Manuskript eingereicht: 14. 5. 2003, angenommen: 28. 5. 2003

zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2003; 100: A 2089 [Heft 31–32]

Literatur
1. Weigl JA, Puppe W, Meyer C et al.: Ateminfektionen bei Kindern. Web-basiertes Frühwarnsystem. Dtsch Arztebl 2003; 100: A613–614 [Heft 10].
2. van den Hoogen BG, de Jong JC, Groen J et al.: Nat Med 2001;7: 719–724.
3. Weigl J, Forster J, Berneer R et al.: Bundesgesundheitsblatt 2003; 46: 9–19.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. Heinz-J. Schmitt
Zentrum Präventive Pädiatrie
Langenbeckstraße 1
55101 Mainz
E-Mail: hjschmit@mail.uni-mainz.de

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