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MEDIZIN: Diskussion

Strahlenexposition bei Flugreisen

Köhler, Peter; Scharmann, Arthur; Klepper, Rudolf

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. DSc. Dr. h.c. mult. Arthur Scharmann, Dr. rer. nat. Dirk Schalch in Heft 22/1996
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LNSLNS Definition der Äquivalenzdosis
In dem – wie stets – sehr sachlichen und informativen Artikel wird über die bei verschiedenen Flugrouten zu erwartenden Äquivalenzdosen ausgesagt, daß diese nicht unmittelbar mit den Grenzwerten (für beruflich exponierte Personen) verglichen werden können: "Es sei daran erinnert, daß die Grenzwerte effektive Dosen sind. Kalkuliert man ein, daß die effektive Dosis deutlich niedriger als die Äquivalenzdosis [. . .] liegt, so beträgt die Exposition [. . .] nur ein Bruchteil des Grenzwertes." Nach unserem Verständnis sollte bei einer homogenen Ganzkörperexposition, um die es sich ja bei der Höhenstrahlung handelt, die Äquivalenzdosis gleich der Effektiven Äquivalenzdosis sein, da die Gewebe-Wichtungsfaktoren nach ICPR-60 sich zu 1,0 addieren. Die Effektive Dosis dient gerade dazu, inhomogene Bestrahlungen untereinander und mit homogenen Bestrahlungen vergleichbar zu machen.


Dr. med. Peter Köhler
Dr. rer. nat. Rudolf Klepper
Belegabteilung für Strahlentherapie
Städtische Krankenanstalten
Luisenstraße 7
78464 Konstanz


Schlußwort
Es ist vorwegzuschicken, daß in einem Übersichtsartikel wie diesem schon aus Platzgründen nicht alle Details erörtert werden können. So haben wir beispielsweise im Textkasten "Dosisgrößen und -einheiten" insbesondere die Definitionen der Äquivalentdosis und ihre Beziehung zur Effektiven (Äquivalent-)Dosis nur verkürzt darstellen können. Zum Zwecke des "richtigen" Messens in einem Strahlenfeld sind heute unterschiedliche, den Erfordernissen angepaßte Äquivalentdosisgrößen definiert. "Richtig messen" heißt, die geeignete DosisMeßgröße zu verwenden, die Meßunsicherheiten zu ermitteln und Fehlergrenzen festzulegen. Körperdosen beziehungsweise Effektive (Äquivalent-)Dosen E lassen sich dann innerhalb der festgelegten Fehlergrenzen in der Regel sicher und konservativ abschätzen. Auch bei homogener Bestrahlung kann E unter Umständen um eine Größenordnung niedriger sein als die ermittelte Umgebungs-Äquivalentdosis (4). Für eine ausführliche Darstellung des Systems der Dosisgrößen und deren Verknüpfungen ist auch hier kein Raum. Der interessierte Leser wird auf die Literaturzitate 1, 2, 4 verwiesen.
Bei den neueren Messungen in Flugzeugen wurden in der Regel Ortsdosen oder Ortsdosisleistungen als Umgebungs-Äquivalentdosen H beziehungsweise -dosisleistungen mit Meßgeräten bestimmt, die in geeigneten Strahlenfeldern kalibriert waren. Betrachtet man nur die beiden Hauptkomponenten der Höhenstrahlung, so ergibt sich, daß die Effektive (Äquivalent-)Dosis E durch Photonen etwa 10 bis 20 Prozent niedriger ist als die gemessenen H; für Neutronen ist E abhängig von deren Energie um einen Faktor 1,2 bis 5 kleiner als die gemessenen H (3). Insbesondere bei Neutronen, Protonen und schweren Teilchen kann nicht von einer homogenen Ganzkörperbestrahlung ausgegangen werden.


Literatur
1. Alberts WG, Ambrosi P, Böhm J, Dietze G, Hohlfeld K, Will W: Neue Dosis-Meßgrößen im Strahlenschutz 1994; PTB-Bericht PTB-Dos-23, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Braunschweig
2. Allisy A, Jennings WA, Kellerer AM, Müller JW, Rossi HH: Quantities and units for use in radiation protection – A Draft report 1991; ICRU News 2, 5–9, International Commission on Radiation Units and Measurements (ICRU), Bethesda, USA
3. Die Ermittlung der durch kosmische Strahlung verursachten Strahlenexposition des fliegenden Personals. Berichte der Strahlenschutzkommission. Stuttgart: Fischer Verlag, 1995; Heft 1
4. Wagner SR: Messen, Kalibrieren, Eichen in der Radiologie: Prinzipien und Praxis. Ann. Physik Leipzig 1990; 47: 628–634


Für die Verfasser:
Prof. Dr. DSc. Dr. h. c. mult. Arthur Scharmann
Physikalisches Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen
Heinrich-Buff-Ring 16
35392 Gießen

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