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Bozner Burgen: Einzigartige Malereien

Steiner-Rinneberg, Britta

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Die Wandbilder von Burg Runkelstein wurden größtenteils nach literarischen Vorbildern geschaffen.
Zu Beginn der Winter-Saison informierte auf Schloss Runkelstein, der Südtiroler „Bilderburg“, eine Ausstellung über die Bozner Burgen. Seit Abschluss der umfangreichen Restaurierungsarbeiten und der Wiedereröffnung dieses Kleinods für kunsthistorisch Interessierte aus aller Welt im Jahr 2002 war es die achte große Schau in dieser Mitte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Wangen errichteten einstigen Wehranlage. 1385 wurde die Burg von zwei reichen Bozner Kaufleuten, Franz und Nikolaus Vintler, erworben.
Das hoch über der Talfer gelegene „alt öd schlos auf dem Perg“, die heutige Märchen- und „Bilderburg“ hat sich zu einem Dorado für Kunstinteressierte entwickelt. Ihre jährlich zweimal wechselnden anspruchsvollen Ausstellungen sollte sich kein Tourist entgehen lassen, aber schon etwas Zeit dafür mitbringen angesichts der Fülle an Lithographien, Aquatintas, Skizzen und Gemälden, Rötel-, Kohle- und Federzeichnungen, Holzschnitten und Fotografien.
Der Besucher sollte sich auf jeden Fall die Säle mit dem größten erhaltenen profanen Freskenzyklus des Mittelalters und die Kapelle nicht entgehen lassen. Die Wandbilder wurden im Auftrag der neuen Besitzer meistens nach literarischen Vorlagen geschaffen und müssen schon damals ein Vermögen gekostet haben. Doch die Vintler, deren ganzes Bestreben dahin ging, sich dem Lebensstil des Adels anzugleichen, ihm als Bürger nicht nur ebenbürtig zu werden, sondern ihn kraft ihres Geldes zu übertrumpfen und das ersehnte Prädikat zu erlangen, waren sehr reich. Sie konnten sich diesen damals nach modernsten Gesichtspunkten ausgebauten und ihr starkes Repräsentationsbedürfnis befriedigenden Burgsitz mit vornehmer Inneneinrichtung leisten und ihn durch die besten Handwerker und Künstler ausgestalten lassen.
Die Bilder des außen wie innen ausgemalten „Sommerhauses“ greifen auf die Literatur zurück, haben die Geschichten um König Artus’ Tafelrunde, um Wigalois und Garel zum Thema, vor allem aber Gottfried von Straßburgs Liebesdrama um Tristan und Isolde. Der nördliche Innenhof ist mit ursprünglich hundert Kaiser-Medaillons geschmückt (von denen allerdings nur noch Reste zu sehen sind). Im Obergeschoss begegnet man dann den großen Helden der Antike und des Alten Testamentes und dem Garel-Zyklus und in der Kapelle der Heiligen Katharina und Christophorus.
Unter Kaiser Maximilian, der die Burg Ende des 15. Jahrhunderts von den Vintlerschen Erben erworben hatte, fürstlich ausstattete und die Schäden an den kostbaren Fresken, so gut man es damals verstand, „beheben“ ließ, begann eine neue, aber nur kurze Blütezeit für den Runkelstein. Des Kaisers Tod im Jahr 1515, ständig wechselnde, unzuverlässige Verwalter, Türkenkriege und Bauernaufstand, eine schwere Explosion in der Pulverkammer, Wasserschäden, eine Brandkatastrophe und ein Mauereinsturz führten zum Verlassen und langsamen Verfall der Burg. Man vergaß das „alt öd schlos auf dem perg“.
Die Burgruine Rafenstein erhebt sich am westlichen Talhang des Sarntals. Fotos: Burg Runkelstein
Die Burgruine Rafenstein erhebt sich am westlichen Talhang des Sarntals. Fotos: Burg Runkelstein
Die Romantiker des 19. Jahrhunderts waren es, die das inzwischen grün überwucherte alte Gemäuer über der Talfer wieder neu entdeckten. Görres und Noe, von Schwind und Defregger erklommen als Erste den steilen Felsen; Feuerbach, Scheffel und ihre Freunde folgten, malten und besangen ihn. Kaiser Franz Joseph, der die Burg 1882 von Erzherzog Johann Salvator verehrt bekam, ließ sie durch Friedrich von Schmidt, seinen berühmten Wiener Baumeister, aufwendig sanieren und mach-
te das Schmuckstück zehn Jahre später „seinen lieben Boznern“ zum Geschenk. Die haben in der von zwei verheerenden Weltkriegen gezeichneten ersten Hälfte des Jahrhunderts mit dem Präsent nicht eben viel anzufangen gewusst. Es dämmerte einfach dahin. Doch Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts begann mit Beginn der Totalrestaurierung für die aus 100-jährigem Schlaf erweckte „Bilderburg“ glücklicherweise ein neuer „Lebensabschnitt“, der das Kulturerbe seit 2002 wieder zugänglich macht. Der Winterausstellung „Bozner Burgen“ folgt vom 7. April bis 12. September die Sonderausstellung „Der Ruf der Trommel – Ein Lärminstrument und sein Einsatz im Alltag, Krieg und Brauchtum“. Weitere Informationen unter der Rufnummer 00 39/4 71/32 08 08.
Britta Steiner-Rinneberg
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